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Damit die kostbare Querflöte schneller anspricht, sind manchmal ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich.

Zu Besuch beim Instrumentenbauer

Eine Fritteuse für die Flöte

München - Auch Instrumente müssen zum Kundendienst, überholt, nachjustiert und liebevoll gepflegt werden. Aber was passiert bei den Instrumentenbauern eigentlich?

Welche Ausbildung braucht man dafür? Welche Stars vertrauen ihnen? Wir haben diese Handwerker im Dienste der Musik besucht und stellen sie in loser Reihenfolge vor.

Fast sieht es aus wie im Knopfladen. In Hunderten von Schubkästchen sind Abertausende von bunten Papierringen, Holzblättchen und pfenniggroßen „Polstern“ sortiert. Sie warten darauf, für den rechten Ton zu sorgen. Denn das wohlgeordnete Durcheinander ist die Werkstatt des Flötenbauers Haruo Uesawa in Untermenzing. Hier, im kürzlich bezogenen Landhaus, findet der 57-jährige Japaner, der seit 2002 in München lebt, die Ruhe für sein diffiziles Handwerk.

Die Kunst des Flötenbauens lernte der Hobbymusiker in seinem Heimatland und nicht, wie viele Leute vermuten, in Europa. Haruo Uesawa erklärt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg waren West-Deutschland und das westliche Europa durch den Eisernen Vorhang von den vielen Flötenbau-Werkstätten im Vogtland, in Tschechien und Ungarn getrennt. Der Markt orientierte sich Richtung Amerika. Auch die Japaner nutzten ihre Chance und begannen mit dem Bau hochwertiger Querflöten.“

Haruo Uesawa, der aus dem Norden Japans stammt, lernte als Bub, die Blockflöte zu spielen, machte Harmoniemusik und war auch als Klarinettist, Saxophonist und Querflötist aktiv. Kein Wunder also, dass er sich für den Instrumentenbau interessierte. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in der Entwicklungsabteilung bei Yamaha. Dort werden Prototypen angefertigt und bis zur Reife entwickelt, erst dann kommen die Instrumente auf den Markt. Er selbst ist sogar in der Lage, ein Instrument rein manuell herzustellen.

In Tokio, wohin die Firma Muramatsu den jungen Flötenbauer abgeworben hatte, um hochwertige Instrumente zu reparieren, lernte er einige Flötenspieler der Weltspitze kennen: Peter-Lukas Graf, Aurèle Nicolet, James Galway. Sie alle ließen ihre Instrumente in Tokio warten. Und da James Galway einen geschickten Fachmann in seiner Nähe haben wollte, lockte er Haruo Uesawa 1978 in die Schweiz. In Luzern ließ sich der Japaner nieder und eröffnete wenige Jahre später in Basel seine eigene Werkstatt.

Nicht mehr das Bauen, sondern das Reparieren wertvoller Profi-Instrumente ist nun sein Beruf. Uesawa, der sich als Handwerker mit der Mechanik der Böhm-Flöten bestens auskennt, ist ein gewiefter Experte. Sein Kundenstamm beweist es. Zu ihm gehören nicht nur Stars wie Nicolet, Andras Adorjan oder Emmanuel Pahud, sondern auch die Solisten renommierter europäischer Orchester: von den Berliner und Wiener Philharmonikern über Musiker der Santa Cecilia, der Warschauer Philharmoniker, Flötisten aus Frankreich, Spanien und Griechenland und natürlich die der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Über 100 Orchester schicken ihm ihre Instrumente, und Uesawa erfüllt alle Wünsche. Er weiß, wie er es anstellen muss, dass eine Flöte heller oder dunkler klingt, dass sie wärmer tönt, mehr Volumen hat oder schneller „anspricht“. Kreativität und Fantasie sind da gefragt, und so wird selbst eine alte Fritteuse nicht entsorgt, sondern aufgehoben: „Piccoloflöten sind aus Ebenholz und müssen manchmal geölt werden…“

Ansonsten sind die Flöten, die Uesawa verkauft, aus Gold – 14 bis 24 Karat –, die teuersten aus Platin. Stolze 100 000 Euro müssen dafür bezahlt werden. Preiswerter sind jene aus millimeterdünnem Silberblech, die einen weichen, verschmelzenden Klang haben – „den bevorzugen die Wiener“, verrät er. Zehn Generalüberholungen schafft er pro Monat und 20 kleinere Reparaturen. Vor allem in den Ferien hat Uesawa viel zu tun. Die Musiker nutzen die Sommerpause, um die Instrumente überholen zu lassen. Uesawa wäscht und poliert die Edelmetall-Korpusse und justiert die Mechanik.

Die kleinen Filzpolster, die früher mit Fischhaut und heute mit Darmhäuten von Schafen oder Kühen überzogen sind und mit Siegellack in die Klappen eingeklebt werden, hat er angefertigt. Auch dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl an, zuweilen müssen Unebenheiten am Tonloch ausgeglichen werden. Vor allem aber muss der Ton stimmen und dem Auftraggeber gefallen. Der kann sein Instrument dann übrigens im kleinen „Spielzimmer“ mit Klavier in Haruo Uesawas Untermenziger Haus gleich ausprobieren.

Gabriele Luster

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