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Premiere ist am 7. Januar: Noch proben „Die lustigen Nibelungen“ im Künstlerhaus am Lenbachplatz.

Besuch bei den Proben: „Die lustigen Nibelungen“

München - "Die  lustigen Nibelungen" - ein Stück für das man als Zuschauer meist viel Sitzfleisch braucht. Dominik Wilgenbus beweist im Künstlerhaus, dass es auch anders geht.

„Die lustigen Nibelungen“? Ja, über das ungewohnte Adjektiv im Titel stolpert man auf den ersten Blick wahrscheinlich doch ein wenig. Allein deshalb schon, weil man für die altdeutsche Sage um den Drachentöter Siegfried und seine Sippschaft meist vor allem eines mitbringen muss: gutes Sitzfleisch. Egal ob es nun der Stummfilmklassiker von Fritz Lang ist oder Richard Wagners gleich viertägiges Bühnenfestspiel. Dass es auch kurzweiliger geht, hat zwar schon Humor-Altmeister Loriot mit dem „Ring an einem Abend“ bewiesen. Doch was Oscar Straus in seiner burlesken Operette „Die lustigen Nibelungen“ bietet, treibt die Angelegenheit noch einmal eine Stufe weiter.

Glauben wir ihm, war die Sache mit Held und Hort in Wahrheit ganz anders, als es uns Fritz Lang oder die Herren Wagner und Hebbel bislang weismachen wollten. Wie es sich für einen geschäftstüchtigen Jungunternehmer gehört, hat Siegfried das Gold nämlich keineswegs im Fluss versenkt, sondern sicher bei der Rheinischen Bank deponiert, ehe er erfolgreich seinen speziellen Badezusatz mit Drachenblut auf den Markt brachte. Sogar Siegfried erklärt: „Die offizielle Version macht sich natürlich besser. Vor allem bei der Nachwelt“ – die den blond gelockten Wonneproppen schon immer gern als Vorzeige-Germanen feiern wollte. Kein Wunder also, dass Straus sich mit seiner bissigen Parodie, die kräftig am Podest des Helden sägt, nicht nur Freunde gemacht hat.

Schon die Uraufführung 1904 im Wiener Carl-Theater trieb deutschnationale Kerle auf die Barrikaden. Und während des „Dritten Reichs“ zeigte man sich erwartungsgemäß erst recht humorlos und verbannte das Werk gleich ganz von den Bühnen. Einen treuen Freund und Fürsprecher hat Straus jedoch in Regisseur Dominik Wilgenbus, der sich nun mit der Münchner Kammeroper im Künstlerhaus daranmacht, diesen Siegfried im Dreivierteltakt wieder fürs Repertoire zurückzuerobern. „Ich versuche schon lange, den Theatern dieses Stück schmackhaft zu machen. Vor allem solchen, die auch Wagners ,Ring‘ spielen. Aber viele schrecken da immer noch zurück, um das Meisterwerk nicht mit einer Parodie zu verunglimpfen. Oder weil sie bei nur sechs Premieren im Jahr einfach kein Geld für eine Operette lockermachen wollen.“

Schon beim Proben fällt es schwer, sich das Schmunzeln zu verkneifen

Dabei braucht es eigentlich gar nicht viel. Wenn sich Brunhilde und Familie auf der Bühne des Künstlerhauses am Lenbachplatz gemütlich zum Tee treffen, fällt es angesichts der absurden Dialoge schon im Proben-Outfit schwer, sich das Schmunzeln zu verkneifen. „Natürlich könnte man hier leicht den Interpretationsholzhammer rausholen.“ Doch der bleibt bei Wilgenbus bewusst im Schrank. „Unsere Produktion soll ja kein Kommentar zur Aufführungsgeschichte sein, sondern das Stück an sich überhaupt einmal vorstellen. Wenn man die Figuren in Anzüge oder NS-Uniformen steckt, würde das eher schaden als nützen. Der Witz liegt doch gerade darin, dass wir hier eine typische Wiener Operettenfamilie haben, die halt eben im germanischen Kostüm daherkommt.“ Straus zeigt uns damit, „dass das Volk der Dichter und Denker oft auch sehr spießig sein kann. Es will vor allem Spaß haben und gut unterhalten werden. Deshalb gibt es hier einen tollen Walzer oder Marsch nach dem anderen.“

Diese eingängigen Melodien hat Alexander Krampe für Salonorchester und Jazz-Trio neu arrangiert, was für eine dezente Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre sorgt, die ihren Teil zur absurden Komik des Stückes beiträgt. Für den Kenner findet sich ab und zu sogar ein verstecktes Wagnerzitat. Wenn etwa während Siegfrieds Hochzeitsnacht Lohengrin ums Eck schaut oder bei Hagens Mordversuch ein waschechter Walkürenwind weht. Aufgeschlossene Wagnerianer dürften da zweifellos ihren Spaß haben. Und alle anderen, die bislang eher einen Bogen um die sperrigen Nibelungen gemacht haben, können im Schnellkurs ein paar Bildungslücken schließen.

Karten unter 089/54 81 81 81.

Premiere ist am 7. Januar: Noch proben „Die lustigen Nibelungen“ im Künstlerhaus am Lenbachplatz.

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