Die Besucher bleiben weg

- Ein fatales Zusammentreffen: Gerade, als das Ballett-Theater München zum mehrtägigen Gastspiel ins sonnige Brasilien aufbrach, traf üble Kunde im Gärtnerplatztheater. Der Oberste Rechnungshof (ORH) hat in seinem Jahresbericht nichts anderes empfohlen, als die Compagnie aufzulösen. Grund: Von 1994 bis 2001 habe das Gärtnerplatz-Ballett mehr als ein Drittel seiner Besucher verloren.

<P>Bislang wähnte sich das hiesige Kulturleben vor Fusionsplänen à` la Berlin, wo ganze Opernhäuser zusammengelegt werden sollen, sicher. Damit scheint es nun vorbei. Der Rechnungshof verweist darauf, dass sich der Staatszuschuss beim Ballett-Theater München von 90 auf 120 Euro pro Besucher erhöht habe. "Sowohl im Musik- wie auch im Tanzbereich sind die Besucherzahlen stark rückgängig", ermahnt das Gremium das Gärtnerplatztheater.</P><P>Der ORH empfiehlt daher, "ein Konzept für die künftige Positionierung dieses Staatstheaters im Kulturgeschehen Münchens zu entwickeln". Kritik wird besonders an den Doppelungen beim Opern-Repertoire geübt - ein Vorwurf, mit dem derzeit auch die Berliner Häuser kämpfen müssen. Bekanntlich sind viele Werke parallel an Staatsoper und Gärtnerplatztheater zu sehen, an Silvester warten beide Häuser sogar mit einer eigenen "Fledermaus"-Version auf. Der ORH fordert daher eine "bessere Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper".</P><P>Am härtesten trifft der ORH-Bericht allerdings das Ballett: "Nachgedacht werden sollte über eine Eingliederung in das Staatsballett; hierdurch könnten vorhandene Spielstätten effizienter genutzt und ein wachsendes Konkurrenzverhältnis zwischen beiden Staatstheatern abgebaut werden." Der ORH übt dabei indirekt Kritik an der künstlerischen Linie der Compagnie. "Insbesondere das jetzt mehr auf zeitgenössischen Tanz ausgerichtete Ballettcorps findet keine ausreichende Resonanz beim Publikum mehr." Eine Ohrfeige für Ballett-Chef Philip Taylor, der sich mit seinen Projekten gerade von "Schwanensee"- oder "Nussknacker"-Gebräuchlichkeiten anderer Häuser abheben wollte.</P><P>Bei der Kritik hat ihm dies in letzter Zeit Lorbeeren eingetragen, auch bei internationalen Veranstaltern. Denn das gerade begonnene Gastspiel im brasilianischen Salvador de Bahia ist die erste Tournee des Ensembles außerhalb Europas. Philip Taylor und Intendant Klaus Schultz waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen - sie saßen gerade im Flugzeug gen Südamerika.</P>

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