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Viel Leib, noch mehr Seele: Beth Ditto.

Gossip im Zenith: Sieg des Unperfekten

München - Gossip-Sängerin Beth Ditto ist ein Phänomen: Sie springt, sie tanzt, sie schwitzt - und sie singt. All das tat sie zur Freude der Münchner im Zenith. Lesen Sie hier die Kritik!

Sie kam, musste gar nicht erst sehen – und hatte schon gesiegt. Die bemerkenswerte Beth Ditto, Sängerin und zentrale Attraktion der Disco-Punk-Band Gossip, stieg im knallengen Kleid mit Herzchen-Pailletten auf die Bühne des fast ausverkauften Zenith. Sie jauchzte, eröffnete mit dem Tanzflächen-Feger „Move In The Right Direction“ und feierte fortan mit ihren Fans eine Rampensause. Diese Frau hat Energie wie ein Duracell-Häschen, ach was, wie ein ausgewachsener Duracell-Rammler. Heavy ohne Metal!

Gerade erst vor zwei, drei Jahren hat es Gossip aus dem Untergrund mitten in den Mainstream verschlagen. Die im Zenith gefeierte letzte Zugabe „Heavy Cross“ brach die Chart-Rekorde von Wolfgang Petry, auf der „Wetten, dass...?“-Couch hopste Ditto dem Jodel-Tiroler Hansi Hinterseer auf den Schoß. So schrill muss man sich auch den Abend in München vorstellen, nur auf Konzertlänge und keine Minute langweilig. Auch wenn Ditto diesmal längst nicht so krass drauf war wie kürzlich in Berlin, als sie am Ende mitten im Publikum in BH und Radlerhose „We Are The Champions“ sang.

Die Frau Ich-scheiß-mir-nix des internationalen Pop feierte dennoch einen Sieg des Unperfekten. Mit ihrer Röhre, an der sie lange Jahre zu Unrecht gezweifelt hatte, ließ sie dem Zenith-Klangbrei schlichtweg keine Chance. Das Gossip-Girl tanzte, fluchte, schwitzte, sang sich mit ihrer Band, die im Hintergrund für den prächtig tanzbaren Ditto-Soundtrack sorgte, die Seele aus dem Leib. Und die Gossip-Sängerin hat viel Leib zu bieten, aber noch mehr Seele. So richtig nett ist’s nur mit Beth. jörg heinrich

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