Bethlehems Stern

- Ein ungleiches Paar, das da vorweihnachtlich vermählt wurde: Franz Schubert und Josef Rheinberger. Die wunderbare As-Dur-Messe des Wieners und "Der Stern von Bethlehem" des in München gestorbenen Liechtensteiners standen auf dem Programm des Weihnachtskonzertes, das der Chor des Bayerischen Rundfunks zusammen mit den BR-Symphonikern am Donnerstagabend im Münchner Herkulessaal gab.

Peter Dijkstra, seit nunmehr einem Jahr Chef des BR-Chores, stand am Pult und präsentierte sein Ensemble als klangprächtige, vitale, ausgewogene und absolut sichere Formation. Bei Schubert schälte er den Kontrast heraus: Zwischen samtweichem, melodisch innigem Fluss im Kyrie, schwingend-schwebender Leichtigkeit beim "pleni sunt coeli" (Sanctus), dem eindringlichen "et in carnatus est" (Credo) und den dramatisch geschürten, in höchst straffem Tempo angegangenen Preisungen des vollmundigen Gloria mit geradezu theatralischer Aufgipfelung im "Altissimus".

Dass Schubert hier auf der Höhe seines Schaffens ist, beweist nicht nur die eindrucksvolle Überleitung zur von den Sängern vorbildlich gemeisterten Schlussfuge, sondern auch das wechselvoll gestaltete Glaubensbekenntnis. Obwohl Dijkstra mit großen, intensiven Gesten stärker seinen Chor herausforderte und lenkte und das Orchester eher sich selbst überließ, überzeugte der Gesamteindruck. Zumal mit Mojca Erdmann (Sopran), Barbara Senator (Alt), Maximilian Schmitt (Tenor) und Alfred Reiter (Bass) auch ein homogenes Solistenensemble sich fein abgestimmt mit Chor und Orchester zu Wort meldete.

Rheinbergers Kantate zu den Reimen seiner Gattin beweist zwar handwerkliches Geschick, tönt jedoch ­ auch für 1892 ­ reichlich anachronistisch und ein bisschen wie schlechter Brahms. Die Interpreten ließen sich davon nicht schrecken, sondern sangen und musizierten engagiert und auf hohem Niveau.

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