Die Betonierung der Verhältnisse

- Über den Kapitalismus lässt sich so schön reden, über Ausbeutung und über die Globalisierung sowieso. Was bleibt einem anderes übrig, als "links" zu sein, solange man selbst (noch) kein Geld hat? Thomas Maurer hat es nun, weswegen er mit seiner Iris ein Haus kaufen konnte, obwohl Hauseigentümer zu sein "irgendwie ned links is". In "Die neue Selbstständigkeit" spielte der Wiener einen opportunistischen FPÖler, in "Menschenfreund", das jetzt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft Premiere hatte, gibt er den "Roten", der sich entfärbt hat.

Dass Maurers Alter Ego hier ein Kabarettist gleichen Namens ist, ist mutig, denn so bewegt sich die Vita des Revoluzzers, der bequem wird und nach Statussymbolen giert, ganz nah an der Realität. Und so erzählt der Spötter-Darsteller hemmungslos, wie er an die Villa kam, erläutert, wie viel Geld ihm der Pole und die Ukrainer beim Restaurieren sparen helfen, wie sehr ihn Obdachlose "emotional erpressen" und wie schön sich sein Saab fährt. Kein Detail an diesem Abend, an dem nicht fremdes Blut oder fremdes Leid klebt.

Die Wiederherstellung des Hauses gerät zur Metapher für die Betonierung der einst leidenschaftlich kritisierten Verhältnisse, die sich ja doch nicht ändern lassen. Maurers Kapital ist sein Charme, ihn setzt er perfide ein, das Publikum so lange zu bequatschen, bis es die Verwandlung ganz in Ordnung findet.

Und dann? Dann macht Maurer den fatalen Fehler, den Rhythmus seines Solos durch multimedialen Schnickschnack stören zu lassen (Regie: Petra Dobetsberger). Sie mögen schon ihren Sinn haben, die Szenarien eines anderen, konsequenteren Lebenswegs - in diesem Programm bleiben sie fremd.

Bis 4. Februar, außer Sonntag, um 20 Uhr, Telefon: 089/39 19 97.

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