Betrunken allein daheim

- Hugh Grant ist müde und vermutlich reichlich gelangweilt von den Fragen, die er bei der Werbetour für seinen neuen Film "Tatsächlich . . . Liebe" seit zwei Wochen beantworten muss (ab Donnerstag im Kino). Aber der 43-Jährige ist ein Profi, routiniert gibt er jenen schlagfertigen britischen Charmeur, den er in seinen Filmen so überzeugend verkörpert.

<P>Besteht überhaupt noch die Chance, erfolgreiche britische Romantik-Komödien zu sehen, in denen Sie nicht mitspielen?</P><P>Grant: Na ja, ich versuche, die Konkurrenz loszuwerden. Ich denke Colin Firth ist endgültig aus dem Rennen, seine Leistung in diesem Film hat es gezeigt. Nein, ich hatte einfach viel Glück mit den Drehbüchern von Richard Curtis. Was er schreibt, ist eben erfolgreich. Das liegt nicht an mir, sondern an ihm.</P><P>Hätten Sie nicht einmal Lust auf einen düsteren Endzeit-Film?</P><P>Grant: So einen Film habe ich mal gemacht; ungefähr 13 Menschen sind ins Kino gegangen, um ihn zu sehen.</P><P>Sie behaupteten in letzter Zeit mehrmals, dass Sie keine Lust mehr auf Schauspielerei haben.</P><P>Grant: Stimmt, aber ich mache doch immer weiter.</P><P>Und tanzen jetzt sogar. Die Tanzszene in "Tatsächlich . . . Liebe" bezeichnen Sie als furchtbarsten Moment Ihrer Karriere.</P><P>Grant: Ich tanze eben nicht gerne. Es sei denn, ich bin alleine daheim und hinreichend betrunken. Alles, was irgendwie mit dem Ausdruck von Gefühlen zu tun hat, liegt mir einfach nicht.</P><P>Dieser Film ist eine Hymne auf alle Arten der Liebe. Teilen Sie das Vertrauen Ihres Regisseurs Richard Curtis in die Kraft, die dieses Gefühl in Menschen freisetzt?</P><P>Grant: Ich bin nicht so optimistisch. Für mich ist das Glas immer halb leer. Und wenn die Zeitungen schreiben, dass unsere Welt stets schlimmer wird, neige ich dazu, das zu glauben. Ironischerweise sage ich im Film ja zu Beginn, dass die Welt nicht voller Hass und Gier, sondern voller Liebe ist. Ich persönlich bin aber davon überzeugt, dass wir tatsächlich von Hass und Gier umgeben sind. Sie sehen, für Geld erzähle ich alles.</P><P>Glauben Ihnen die Leute eigentlich, wenn Sie so etwas erzählen? Oder sind Sie selber nicht ganz sicher, wann Sie scherzen?</P><P>Grant: Die Frage ist zu kompliziert. Ich meine, ich bewundere Richard Curtis sehr für seine positive Energie. Es gibt diese Gutfühl-Filmchen nach Disney-Manier, die geheuchelt sind. Bei ihm kommt es aber von Herzen. Er mag Menschen einfach. Und ich finde es mutig, einen Film wie "Tatsächlich . . . Liebe" zu drehen, das ist gegen den Zeitgeist. In einer eigentümlichen Art ist das ein ziemlich radikaler Film, sozusagen Avantgarde. Um heute im Trend zu sein, muss man zeigen, wie sich möglichst viele Menschen umbringen.</P><P>Der Kinderdarsteller in "Tatsächlich . . . Liebe" ist ein entfernter Verwandter von Ihnen. Was würden Sie ihm sagen, wenn er Sie fragen würde, wie man ein guter Schauspieler wird?</P><P>Grant: Ich gehöre zu denen, die immer sagen: Lass es. Ehrlich, ich kenne keinen einzigen Schauspieler, der mit seinem Beruf glücklich ist. Für niemanden bringt er die Erfüllung, die man sich davon erhofft. Es gibt zu viel Stress und Schmerz. Zu viele Zurückweisungen, die man ertragen muss. Das Produkt, das man anbietet, ist man selber, und es ist einfach zu grausam, wenn man beurteilt wird und nicht gut war, oder gut war, aber an einem schlechten Projekt beteiligt ist.</P><P>Und was ist Liebe für Sie persönlich?</P><P>Grant: L'amour - qu'est-ce que c'est? Die Liebe zu Geld zählt wohl nicht?</P><P>Nein.</P><P>Grant: Letztlich ist Liebe genau das: eine Art von Gehirnwäsche. Aber ich gebe gerne zu, dass das ein etwas zynischer Standpunkt ist.</P><P><BR> </P>

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