Beunruhigende Details: Bilder von Frida Kahlo

- Das Bett, in dem Frida ruht, schwebt in der Luft. Ein Traum. In ihrem Bild "Der Traum" von 1940 stellt die Malerin Frida Kahlo sich als Dornröschen dar, friedlich schlafend, von Ranken umwuchert, gleichsam beschützt. Auf dem Baldachin liegt die Judasfigur aus dem mexikanischen Osterbrauchtum: Stellvertretend für alles Böse werden die mit Dynamitstangen behängten Figuren in die Luft gesprengt. Der Judas in diesem Bild trägt die Züge des Todes - im Traum vernichtet er sich selbst, ist keine Bedrohung mehr.

<P>Die blauen Blumen sind in der Romantik Inbegriff der Sehnsucht nach einer Welt der Schönheit, ohne Krankheit und Tod. Das Bild stammt aus einer höchst produktiven Phase Frida Kahlos und kann als Ausdruck ihrer Hoffnung gesehen werden, dass diese Inspiration durch nichts getrübt werde.</P><P>Helga Prignitz-Poda stellt in ihrem Bildband 42 ausgewählte Gemälde von Frida Kahlo vor, die in herausragender Qualität abgedruckt sind. Ausschnitte aus den Bildern werden vergrößert daneben gestellt, machen Struktur und Strichführung sichtbar. Die Verletzlichkeit der Malerin, die sich immer wieder selbst porträtierte, wird beunruhigend erfahrbar: Die Nägel, die sich im Gemälde "Die gebrochene Säule" (1994) in ihren Körper bohren, werden als Detail bildfüllend, vermitteln existenzielle Bedrohung. Auch die Tränen, die Frida immer wieder über die Wangen laufen, werden dreidimensional. So ermöglicht das Buch, bekannte Bilder neu zu erfahren, weil der Blick auf die Kleinigkeiten gelenkt wird, weg vom Gesamteindruck.</P><P>Helga Prignitz-Poda: "Frida Kahlo. Die Malerin und ihr Werk". Schirmer/ Mosel Verlag, München. 264 Seiten, 78 Euro.</P>

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