Der Saft aus der Zitrone: 1985 die „Capri-Batterie“ – einige Monate später war Joseph Beuys tot. Aber in Italien bewies er noch einmal Lebenslust und Humor. Die Zitrone ist über eine Steckerfassung mit einer gelben Glühbirne verbunden – Natur nährt Technik. Das Auflagen-Objekt ist zusammen mit anderen Werken von Beuys und Neuerwerbungen in der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen. Der Künstler, dessen Schaffen manche noch heute verunsichert, war ein warmherziger, gar nicht provokanter Mensch. Er wollte die anderen miteinbeziehen in seine Arbeitsweise. Deswegen war es ihm recht, wenn heftig diskutiert wurde.

Beuys: Spaß am Spaziergang im weiten Ideen-Feld

München - Die Neuerwerbungen der Pinakothek der Moderne in München bieten einen Mikrokosmos, in dem das ganze Beuys-Werk nachvollziehbar ist.

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„In der Galerie wird keiner gebissen“ - Interview mit Bernd Klüser, Münchner Galerist von Weltrang.

Joseph Beuys’ „Rudel“ (1968), heute eines der berühmtesten Werke des Jahrhundertkünstlers, rennt von einem VW-Bus weg, als seien aufgeregte Schlittenhunde losgelassen. Beuys nahm die Schlitten für die Hunde. Damals begeisterte sich ein Galerist so sehr für die Installation (heute in Kassel), dass er von Beuys ähnlich Spannendes für den kleinen Geldbeutel wollte. Aus dem „Rudel“ wurden die „Schlitten“ ausgegliedert. Ein Gefährt samt Filz, Honig und Taschenlampe ist nun in München zu besichtigen. Die Geschichte dazu erzählt Galerist und Sammler Bernd Klüser, der den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit langem Arbeiten aus seinem Besitz als Dauerleihgaben überlassen hat. Damit kann die Pinakothek der Moderne eines der größten Joseph-Beuys-Panoramen bieten, wie Generaldirektor Klaus Schrenk betont. Herzstück ist das imposante Basalt-Feld „Das Ende des 20. Jahrhunderts“, das der Verein PIN angekauft hatte.

Joseph Beuys hinter der „Rose für direkte Demokratie“, die - immer frisch - auch im Museum zu finden ist.

Beuys (1921-1986), aus tiefster Seele Demokrat, hat neben den großen Vorhaben bis zu seinem Tod immer auch etwas für Menschen geschaffen, deren Finanzen nicht üppig waren. Das waren Auflagen-Objekte: Multiples. Sie spielen in seinem Œuvre „eine eminent wichtige Rolle“, so Schrenk, „denn sie sind der Mikrokosmos, in dem das ganze Schaffen nachvollziehbar ist“. Das macht die Multiples für Museen so begehrenswert. Jetzt bekommt Bayern zusätzlich 280 Multiples von Verena und Bernd Klüser, finanziert von einer Stiftung, die anonym bleiben möchte. Und als „Übereignung“ (Steuervorteil) zehn Originale, die bereits in der PDM ausgestellt waren. Sowohl Schrenk als auch Kunstminister Wolfgang Heubisch bedankten sich zu Recht heftig bei den bekannten und unbekannt bleiben wollenden Mäzenen – zumal die Staatsgemäldesammlungen von der Regierung keinen nennenswerten Ankaufsetat bekommen.

In der Tat kann man Beuys nun von großmächtig bis kleinteilig, von ernst bis lustig, von Filz bis Bronze, von Schiefertafel bis zur Tafel Schokolade gut kennenlernen. Überaus deutlich bei dieser Rundschau wird: Die Beuys-Stücke im Museum Brandhorst sollten hier eingegliedert werden, dort wirken sie nämlich jämmerlich. Aber auch die dritte Pinakothek präsentiert Beuys unzulänglich in arg zerfaserten Rand-Räumen. Gute erläuternde Texte fehlen schmerzlich.

Wo erfährt der Besucher etwa, dass die riesige Bronzebadewanne (1986) doppelwandig ist wie ein Heizkörper und unten auf einem Abguss eines Mammutzahns ruht? Immerhin sieht er, dass Wannen wichtig für den Künstler vom Rhein waren. In der Vitrine steht jene Erfindung in klein, an der Wand hängt „Jason“, eine Zinkbadewanne. Schon an diesem Motiv-Beispiel erlebt man, dass Joseph Beuys ein weites Assoziationsfeld öffnet. Nur wer willens ist, darin spazieren zu gehen, wird seinen Spaß haben: an Spielzeugeisenbahn, Erdtelefon, Capri-Batterie oder „Ja, ja, ja, nee, nee, nee“.

von Simone Dattenberger

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