Bewährte Strickmuster

- Der futuristisch anmutende, gigantische Bühnenaufbau hätte auf ein progressives, experimentelles Konzert hindeuten können - hätten die Fans im ausverkauften Olympiastadion nicht Bon Jovi erwartet. Denn die Band um Sänger und Gruppenschönling Jon Bon Jovi verlässt sich gern auf bewährte Strickmuster. Und so knüpfte das Rock-Quartett am Freitagabend eigentlich da an, wo es bei seinem letzten Münchner Open Air vor rund zwei Jahren aufgehört hatte. Satter, klangvoller Mainstream, für den es keine Aufwärmzeit brauchte, bestimmte den reibungslosen Verlauf des Abends.

<P>Songs wie "Misunderstood" oder "Everyday" der aktuellen Scheibe "Bounce" mischten sich in geschickter Dosierung unter Klassiker; glättende Melodieverläufe legten sich über harte Gitarrenriffs. Die Band (Richie Sambora/ Gitarre, Tico Torres/ Drums, David Bryan/Keyboards) instrumentierte differenziert und hielt bis auf einige exzentrische Keyboard-Soli Distanz zu allzu psychedelischen Klangbildern.</P><P>Im Mittelpunkt des Geschehens: Jon Bon Jovi, dessen Burschen-Image mit Beharrlichkeit an ihm klebt - nicht zuletzt wegen der perfekt ungebändigten Mähne und der kindlichen Nuancen in seiner intonationssicheren Stimme. So lächelt er seinen Fans über bewegliche Leinwände entgegen und pflegt das Zusammengehörigkeitsgefühl, indem er gemeinsame Erinnerungen an den letzten Gig wachruft. Er setzt den Stimmungsmacher "It's My Life" zur richtigen Zeit ein und holt Klassiker hervor wie "These Days", "Diamond Ring" oder die Pflicht-Ballade "Bed Of Roses".</P><P>Grundehrlicher Rock</P><P>Er signalisiert Bescheidenheit, indem er Kollegen mit eigener, jedoch nicht zu gewagter Interpretation ihre verdienten Hommagen zukommen lässt. So bringt er Bowies "Heroes" sauber auf die Bühne, bekennt sich mit "Rockin' All Over The World" zum grundehrlichen Rock und überlässt Sambora für eine Nummer das Feld. Als Bon Jovi ihr Konzert nach drei Stunden mit dem Rock'n'Roll-Klassiker "Twist And Shout" beenden, verabschieden sich allmählich auch Jon Bon Jovis beanspruchte Stimmbänder, und das Publikum entlässt den abgearbeiteten Star mit den ihm gebührenden Ovationen.</P><P>Aufrichtige Kerle, die alles geben, heißt das Rezept. Und Bon Jovi haben es einmal mehr mit aller Sorgfalt gekocht.</P>

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