Und sie bewegt sich doch

- Bei all unserer Liebe zu den alten Griechen gehen die jungen, die zeitgenössischen leicht unter. Das Europäische Patentamt München an der Erhardtstraße 27 steuert dem anlässlich der nun beginnenden Olympischen Spiele in Athen mit einer Ausstellung aktueller griechischer Kunst entgegen. Die Münchner Galeristin Franç¸oise Heitsch (Türkenstraße 34), selbst gebürtige Griechin, hat zwölf Künstler eingeladen, um im Foyer des ersten Obergeschosses ihre Arbeiten unter dem Titel "ausderferne ausdernähe ausdermitte" zu präsentieren. Hellas-Klischees wird dabei ganz und gar nicht gefrönt, das Dutzend zeigt sich vielmehr auf der Höhe der internationalen Kunst: zwischen Video, Objektkunst, Malerei und Installationen aller Art.

<P>Immerhin tröstet uns Angelos Papadimitriou ein klein bisschen über diese anti-folkloristische Weltläufigkeit hinweg - mit einer wahren Ikone der Griechen, mit Maria Callas. Als zierliche Büste wächst die Diva, mal tragisch umflort, mal neckisch privat, aus den nüchternen Flurwänden des Behördenbaus. Und blickt auf die ebenfalls hier sehr exotisch wirkende Szenerie von Katerina Tsekoura. Von einem Holzsessel wallt eine karmesinrote Samtbahn auf den grünen Boden. Stickrahmen fassen den Stoff oben und unten. Silbrige Sterne, konzentrisch aufblühend wie wuchernde Schimmelpilze, sind schon genäht. Oder werden noch gestickt? Auf den zweiten Blick entdeckt der Betrachter, wie sich in einem der Rahmen etwas bewegt . . .<BR><BR>Das Geheimnis im Alltäglichen finden auch George Lappas mit Axt und Sofa aus "Fleisch" oder Thrafia, der Traumbilder auf Puppenstubenformat schrumpft. Diese fantastischen Welten aus Wohnzimmerglück und Kleintierkäfig platziert er ganz beiläufig als Beistelltischchen neben die Loungesessel. Überhaupt ist es schön, dass mehrere Künstler unmittelbar auf die Architektur des Europäischen Patentamts reagieren. Panos Kokkinias seziert auf seinen Fotos gnadenlos das trübselige Interieur des Baus. Nikos Alexiou hingegen konterkariert es mit filigranen Papierstreifen-Vorhängen, die ein wenig an die zarten Konstruktionen alter Gewächshäuser erinnern. Am raffiniertesten aber ist Andreas Savvas schwebendes Gebilde positioniert. Vor einer Fensterfront hängt es wie ein chaotisches Spinnennetz. In ihm haben sich Stuhlfragmente als ausgesaugte Fliegenleiber verfangen. <BR><BR>Außerdem haben im Gartengelände Zaphos Xagoraris eine sanft klingend Glocke eingekastelt und Aemilia Papaphilippou einen großen Silbernadel-Kranz zusammengesteckt.<BR>Neben Christos Prossylis' (nicht zugänglicher) Internetseite hat auch Vassiliea Styliandiou moderne Medien benutzt. Ihr Video kombiniert computeranimierte Bilder mit verfremdeten Filmbildern, also sterile Ästhetik mit lebendiger Schlampigkeit. Der Text macht Werbung für ein Spiel, mit dem man sich in das Dasein irgendeines Menschen einklinken kann. Durch die künstlichen Computer-Bauwürfelchen auf dem Spielfeld bohrt sich der Blick in die banale Realität einer einfachen Frau. Solche Mehrschichtigkeit erzeugt Xenophon Bitsikas malerisch: durch hintereinander gestaffelte Plastikplanen, die das Wahrnehmen gewissermaßen aufblättern.</P><P>Bis 3. September, täglich 10-17 Uhr, Eintritt frei; Katalog: zehn Euro. <BR></P>

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