Biete Frau für Tiger

- Eigentlich hätte Pablo Picasso schon Ende des 19. Jahrhunderts in München sein sollen. Sein Vater hatte ihm damals angetragen, hier zu studieren. Der Künstler entschied sich jedoch für Paris. Wassily Kandinsky dagegen zog Bayern der französischen Hauptstadt vor, 1897 siedelte er nach München um und studierte an der Akademie. Fast hätten sich die Wege zwei der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gekreuzt. Gut 100 Jahre später wird dies nun nachgeholt.

<P>Picasso-Sammlung wandert ins Lenbachhaus</P><P>In einer einmaligen Kooperation tauschen das Museum Ludwig in Köln und die Städtische Galerie im Münchner Lenbachhaus für ein Vierteljahr zentrale Teile ihrer Bestände aus. Die Rheinländer liefern fast ihre komplette Picasso-Sammlung nach München, während das Lenbachhaus einige Bilder des Blauen Reiter nach Köln bringt. Vom 13. März bis 27. Juni 2004 werden die jeweiligen Ausstellungen zu sehen sein.<BR><BR>Eine heikle Aktion sicherlich, immerhin gehören die für den Verleih eingeplanten Werke zum integralen Bestand der Museen. Das Lenbachhaus besitzt die weltweit bedeutendste Kollektion zum Blauen Reiter, darunter Kandinskys "Impression VI", Franz Marcs "Tiger" oder August Mackes "Türkisches Café´". Insgesamt wandern etwa 70 Gemälde ins Museum Ludwig, im Gegenzug erhält München 180 Originalwerke sowie 600 Druckgrafiken und Objekte Picassos. Ab März werden diese im Kunstbau unter dem Königsplatz ausgestellt.<BR><BR>Für Helmut Friedel, Direktor des Lenbachhauses, erfüllt sich damit ein lang gehegter Wunsch. Picasso in München, das habe ihm schon immer am Herzen gelegen. "Ohne das Tauschprojekt wäre das aber finanziell unmöglich." Nur die gemeinsamen Anstrengungen der Museen böten die Voraussetzung, in München Bilder wie "Harlekin mit den gefalteten Händen" oder "Frau mit Artischocke" zu zeigen.<BR><BR>Doch die Museen wollen auch ein politisches Zeichen setzen und beweisen, dass in finanzschwachen Zeiten prestigeträchtige Ausstellungen durchführbar sind. Die Gefahr, dass die Politik das Projekt als Einladung verstehen könnte, Gelder von den Museen abzuziehen, sieht Friedel durchaus. Auch deswegen wird es wohl keine zweite Auflage des Tauschgeschäftes geben.<BR></P>

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