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Trio mit Kampfgeist: Biffy Clyro

Konzertkritik

Biffy Clyro - drei schweißtreibende Schotten

München - Biffy Clyro, einst ein Geheimtipp, begeisterten mit Leidenschaft und Größenwahn im Münchner Zenith. 

Es ist einer der erstaunlichsten Spagate im Popbusiness: Das Trio Biffy Clyro, einst ein Geheimtipp aus der Progrock-Nische, hat es mit seinem siebenten Studio-Album „Ellipsis“ geschafft, auf Platz 1 der deutschen Charts zu stürmen, ohne sich allzu sehr zu verbiegen. Auf der Bühne spielen die schweißtreibenden Schotten schon seit Jahren in der Champions League der besten Livebands der Welt. Das zeigte sich auch wieder bei ihrem jüngsten Auftritt im Münchner Zenith: Mit Kampfgeist, Leidenschaft und beherztem Forechecking fanden sie zu druckvollem, geschlossenem Mannschaftsspiel. 

Ihre Live-Präzision ist atemberaubend. Dabei präsentieren sie jeden einzelnen Song mit einer solchen Wucht, Energie und Intensität, als hinge ihr Leben davon ab – und als wollten sie ihre gesamte Körpermasse in zwei Stunden wegschwitzen. Konsequenterweise agieren alle drei mit nacktem Oberkörper, was den Blick auf wahre Sturzbäche und imposante Tattoos freigibt. Unter den mehr als zwei Dutzend Liedern findet sich kein einziger Lückenfüller. Der älteste Song („Wave Upon Wave Upon Wave“ von 2005) mag der interessanteste sein, doch auch die neueren Lieder stecken voller Widerhaken: hier ein abgefahrenes Arrangement, da ein überraschender Rhythmus- oder Tempowechsel, ein 7/8-Takt... So bieten sie neben stadiontauglichen Kopfnick-Riffs durchaus vertracktes Kopffutter. 

Dass sie sich ins Formatradio eingeschlichen haben, verdanken sie ihren Ohrwurm-Qualitäten, den Gänsehaut-Melodien und hymnischen Refrains. Aber selbst ein Hit wie „Bubbles“, der mit einem Gute-Laune-Gitarrenlick beginnt und die textsicheren Fans zu kollektivem Mitsingen und Mithüpfen animiert, mündet live in eine wüste Lärmorgie. Da stört sogar der notorisch miese Zenith-Sound kaum. Kompromissloses Klotzen statt Kleckern ist angesagt: Biffy Clyro zelebrieren ihre bombastischen Werke mit gigantischen Stroboskop- und Laser-Effekten – und mit der nötigen Portion Größenwahn, um wahrhaft Großes zu schaffen. „Thank you so fucking much!“, ruft Leadsänger Simon Neil schließlich. „Wir sind Biffy fucking Clyro!“ Den Namen sollte man sich merken...

Marco Schmidt

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