Bigamisten-Pingpong

- Waaahnsinn! Wie Folke Braband soeben "Taxi, Taxi" des Engländers Ray Cooney in der Münchner Kleinen Komödie am Max II inszeniert hat, das ist: eine Lachtränen treibende Über-Farce. Und ist es natürlich auch durch Ralf Komorr als Taxi fahrender Bigamist John Smith und Sebastian Goder als sein durch sämtliche balkenbiegende Lügen-Geschichten zu ihm haltender Spezl Stanley Gardner. Taxi-Mann John hat, wie's ja auch im richtigen Leben gar nicht so selten vorkommt, zwei traute Heime. Die Schichten zwischen den Ehefrauen absolvierte er bis jetzt immer pünktlich. Dank penibel geführtem Termin-Kalender: heute bei Mary, morgen KmB = Knuddeltag mit Barbara.

<P>Da haut ihn eines Nachts in ängstlichem Missverständnis eine alte Lady mit solidem Handtäschchen krankenhausreif. Und jetzt erleben wir, wie das besorgte Rehaugen-Schneewittchen Beate Pfeiffer (Mary) und die Short & Turnschuh-Blondine Stephanie Keller (Barbara) im Kanon oder synchron ihre Vermissten-Meldung an die Polizei ins Telefon plappern - im gleichen Wohnzimmer, auf demselben Sofa! Allein schon Gold wert diese nicht unriskante Bühnenidee (Tim Presting). </P><P>Aber sie funktioniert, und blendend getimt, auch im gesteigerten Hecheln zwischen den beiden Domizilen des polizeilich gejagten Taxi-Drivers und seines Alibi-Helfers. Komorr und Goder sind Tennis-Asse im Pingpong ihrer Ausreden, nein mehr, Zehn-Bälle-Jongleure mindestens, so wie sie kaschierende Nonsens-Telefonate oder auch Körperzeichen des anderen entschlüsseln und blitzschnell das Falsch-Alibi weiterspinnen. <BR><BR>Hinter dieser so brillant gespielten Männerfreundschaft darf sich das eigentliche Thema "der Bigamist" auch erlaubterweise ein bisschen verlieren. In die Zange genommen von den beiden jeweils zuständigen Ordnungshütern - Mathias Grundig und Rudolf Otahal addieren noch die schlitzohrigen Farben des Brit-Officers -, kommt es schließlich zum Ehrlichkeits-Showdown, die einzige mattere Stelle in diesem komödiantisch-sprachlichen Feuerwerk (gut die neue Übersetzung von Frank-Thomas Mende) von sieben Boulevard-Könnern.</P>

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