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Ein gescheiterter Messias der Aufklärung: Bijan Zamani als Amir in „Geächtet“.

Interview

"Geächtet" feiert München-Premiere

München - Es war Ayad Akthars erstes Theaterstück und wurde ein Riesenerfolg. Der US-Amerikaner schrieb „Geächtet“ 2011, zwei Jahre später gab es den Pulitzerpreis. Nun ist das Drama erstmals in München zu sehen. In der Inszenierung von Antoine Uitdehaag am Residenztheater spielt Bijan Zamani die Hauptrolle. Wir sprachen vorab mit dem 1975 in Berlin geborenen Schauspieler.

Welcher Punkt bildet für Sie den zentralen Aspekt des Stücks?

Alle Figuren haben einen klischierten Stempel auf der Stirn: ihre Religion. Und wir sind es in unserer Wahrnehmung auch gewöhnt, das Handeln eines Menschen mit diesem Stempel in Verbindung zu bringen – vor allem bei den konfliktbeladenen Religionen. Das Schöne an dem Stück ist, dass es unsere Gewohnheiten benutzt, um uns aufs Glatteis zu führen, sodass wir selber auf unserem eigenen Klischee ausrutschen. Der Autor nimmt die einzelnen Figuren als Menschen sehr ernst, aber eben nicht so sehr als Symbolträger bestimmter Weltreligionen.

Können Sie Amir, den Sie spielen, beschreiben?

Nein. (Lacht.)  Das wäre zu einfach. So einfach macht es der Text nicht. So einfach macht es auch der Amir nicht. Es braucht schon das ganze Stück, um ansatzweise zu erzählen, was in diesem Menschen los ist.

Ich habe ihn beim Lesen als sehr reflektierte Figur empfunden...

Ja, unbedingt. Und trotzdem passiert ihm, was ihm passiert. Trotz aller Reflexion schafft er es nicht, ein Messias der Aufklärung zu sein, obwohl er sehr gebildet, sehr selbstreflektiert und auch souverän zu sein scheint.

Welche Rolle spielt das Thema Islam im Stück?

Das Schöne ist für mich, dass es eigentlich nicht so sehr um den Islam geht, sondern um den Umgang mit Religionen. Wie wir Menschen sehen, die in einer bestimmten Religion leben, welche Eigenschaften wir ihnen zuschreiben. Wie wir uns selber damit eigentlich reinlegen, wenn wir jemandem die Eigenschaften eines Muslims zuschreiben und ihn damit eigentlich erst zu dem machen, was wir in ihm sehen wollen.

Warum eskaliert die Dinnerparty, obwohl alle Figuren sehr tolerant und liberal sein wollen?

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Die ganze zentrale Szene handelt genau davon. Es kann sehr beleidigend sein, wenn man tolerant behandelt wird. Etwa wenn gesagt wird, nicht alle Muslime schlagen ihre Frauen. Dann ist das scheinbar tolerant, eigentlich aber sehr beleidigend, weil es voraussetzt, dass es eine Verbindung gebe zwischen einem Menschen, der seine Frau schlägt, und dessen Religion. Es hat nicht mit dem Menschen zu tun, der einem gegenüber sitzt, nur etwas mit dem Bild, das man von diesem Menschen hat.

Im Stück ändern zwei Figuren ihren Namen, um ihre pakistanische Herkunft zu verbergen. Würden Sie Ihren Namen ändern?

Natürlich. Ich bewerbe mich für Wohnungen unter falschem Namen, damit ich zum Besichtigungstermin eingeladen werde. Das tue ich erst seit Neuestem. Es macht leider einen Unterschied, ob ich mich mit einem persischen Namen bewerbe oder nicht.

Würden Sie Ihren Namen dauerhaft ändern, um etwaigen Rassismus zu umgehen?

Ja, am besten in so was wie Müller. (Lacht.)  Nein, nicht wirklich. Aber ich habe den Eindruck, dass die Fernsehrollen, die mir angeboten werden, häufig bis ausschließlich ausländischer Herkunft sind. Das macht an sich kein Qualitätsmerkmal einer Rolle aus – in der deutschen Fernsehlandschaft aber leider oft doch. Diese Rollen sind in Fernsehkrimis meist sehr einfach gestrickt – der rumänische oder bulgarische Autodieb. Ich wüsste gerne, ob sich an diesen Angeboten etwas ändern würde, wenn ich einen deutscher klingenden Namen hätte.

Das Gespräch führte Katrin Hildebrand.

Premiere ist am 4. Februar, 19.30 Uhr, im Residenztheater; Telefon 089/ 2185-1940.

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