Bilder-Verbrennung

- Ein Gericht in Istanbul hat die türkische Schriftstellerin Elif Shafak am Donnerstag aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Verunglimpfung des Türkentums freigesprochen. Die Erfolgsautorin war angeklagt worden, weil sie eine armenische Figur in einem ihrer Romane von "türkischen Schlächtern" hatte sprechen lassen.

 In dem Roman "Der Bastard von Istanbul" geht es um die Massentötung von Armeniern gegen Ende des Osmanischen Reichs. Shafak drohten drei Jahre Haft. Ähnliche Prozesse gegen andere türkische Schriftsteller in der Vergangenheit wurden zumeist ebenfalls eingestellt. Shafak erklärte, das Gesetz gegen die Verunglimpfung des Türkentums werde als Waffe verwendet, um viele Menschen zum Schweigen zu bringen. Die 35-Jährige meinte dazu: "Das Türkentum beleidigen? Wer legt das fest?"

Shafak, die an der Universität von Arizona lehrt, hatte am Samstag ein Mädchen zur Welt gebracht und erschien nicht vor Gericht. Die eineinhalbstündige Verhandlung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul verbrannten nationalistische Demonstranten aus Protest gegen das Urteil ein Bild Shafaks. Der Roman erschien Anfang März, bislang wurden mehr als 50 000 Exemplare verkauft. Die Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern von 1913 bis 1925 ist in der Türkei bis heute ein Tabuthema.

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