Wie aus dem Bilderbuch

München - Der Herr Doktor Freud persönlich animierte den vergoldeten Johann Strauß, vom Denkmals-Sockel zu steigen und aufzuspielen, auf dass er zwischen Gläsern, Schampus-Flaschen, Servietten, Korken, Spielkarten und Luftschlangen (alles im Riesenformat) seine "Fledermaus" zum Leben erwecke.

Es gelang ihm im Münchner Prinzregententheater, wo das Budapester Operettentheater die Zuschauer im Handstreich eroberte. Nicht zuletzt dank seiner "Wunderwaffe": Marika Oszvald. Früher als wirbelnde Soubrette absoluter Publikumsliebling, ist sie jetzt zu Adeles älterer Schwester Ida herangereift und peppte mit ungebremstem (Tanz-)Temperament Orlowskys Fest auf. Helle Freude im Parkett und ein fliegender Blumenstrauß. Den zweiten durfte Zsuzsa Kalocsai aufsammeln. Sie erfreute mit aufblühendem Sopran als exaltierte Rosalinde ebenso wie als verkleidete ungarische Gräfin, die mit deftigem Original-Akzent ihr Verwirrspiel mit dem Ehemann auskostete.

Den Eisenstein sang und spielte Gábor Dániel wienerisch charmant und ungarisch aufbrausend ­ kurzum wie aus dem Bilderbuch. Annamária Bucsis lang aufgeschossene Adele stand im komischen Schwesternpaar hinter Ida nicht zurück, trumpfte sie doch mit blitzenden Koloraturen auf. Warum sie nicht die "Unschuld vom Lande" singen durfte, sondern ihr Talent beim "Frühlingsstimmenwalzer" bewies, bleibt ein Geheimnis von Regisseur Kero.

Er sorgte in dem immer wieder veränderten, monströsen Tisch-Arrangement von Csörsz Khell für viel Bewegung und Tempo und wurde dabei von László Makláry und seinen Budapester Musikern intensiv unterstützt. Dass Kero zuweilen dem Klamauk freie Bahn gewährte, störte weniger. Dass aber Frosch (Gábor Dézsy Szabó) kein begnadeter Komiker war und Orlowsky (Károly Peller) kein Decadent, sondern ­ in Umkehrung des Hosenrollen-Originals ­ ein netter Bursche in Tantenkleidern, wog schwerer. Zum Glück behielt Dr. Falke die Fäden in der Hand und lud zuletzt auch Tenorissimo Alfred (Zsolt Vadász) und Gefängnisdirektor Frank (András Faragó) ins "Schampus-Boot". Riesenbeifall.

Vorstellungen:

25., 26., 27. April (Telefon 089/ 2185-2899).

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