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Bislang unbekannte Fotos zeigen Anne Franks Kindheit

- New York - "Das könnte mein Familienalbum sein", schreibt eine Besucherin ins Gästebuch der Galerie Kraushaar. Doch es ist nicht irgendein Fotoalbum, dessen Seiten die New Yorker Galerie aufschlägt - es sind private Fotos der Familie von Anne Frank.

 Diese werden hier zum ersten Mal ausgestellt. Sie erlauben einen sehr intimen Blick in die Kindheit des Mädchens, dessen Tagebuch eines der wichtigsten und persönlichsten Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus ist.<P>Anne im Laufstall, ihre ältere Schwester Margot in der Badewanne, ein Familienfoto mit Großmutter auf dem Balkon - gerade die Normalität der Fotos ist das Berührende, meint Carole Pesner, Leiterin der Galerie: "Die Fotos erinnern die Besucher an ihre eigenen Familien - und zeigen, dass jedem von uns das Schicksal der Franks hätte widerfahren können."</P><P>In diesem Jahr wäre Anne Frank, die im März 1945 als 15-Jährige im Konzentrationslager Bergen-Belsen umkam, 75 Jahre alt geworden. Anlässlich ihres Geburtstages organisierten das Amsterdamer Anne Frank Haus und das Anne Frank Center in New York die Ausstellung an der 5th Avenue.</P><P>Seit Ende der zwanziger Jahre hatte Otto Frank das Heranwachsen seiner Kinder mit dem Fotoapparat festgehalten: Die 69 Fotos der Ausstellung zeigen, wie die beiden Frank-Mädchen aufwachsen - vom wenige Wochen alten Baby in den Armen der Mutter Edith bis zum verschämten Teenager. Der stolze Vater archiviert die Fotos in Alben, Mutter Edith schreibt ihre Kommentare an den Rand.</P><P>Bei ihrer zweiten Tochter Anne, drei Jahre jünger als Margot, lässt die Schreiblust der Mutter nach - und so übernimmt Anne selbst die Aufgabe der Chronistin. Ihr Humor blitzt in ihren Randbemerkungen immer wieder auf. So schreibt sie neben ein Foto, das sie am Strand von Zandvoort im Wasser spielend zeigt: "Anne verteidigt eine verlassene Sandburg gegen die anstürmende Brandung."</P><P>Durch die Linse von Otto Franks Leica wirkt das Leben der Kinder in Frankfurt und, nach der Machtergreifung der Nazis, von 1933 an in Amsterdam unbeschwert. Angst und Diskriminierung, die das Leben der jüdischen Familie zunehmend bestimmen, durchbrechen den Schein der Normalität selten - dann aber umso erdrückender: Im August 1940 sonnen sich die Frank-Schwestern auf dem Dach ihres Hauses im besetzten Amsterdam. "Es ist fast unmöglich, braun zu werden", schreibt Anne zur gleichen Zeit an ihre Großmutter, "weil wir nicht mehr ins Freibad dürfen, schade, aber was soll man machen."</P><P>Zwei Jahre später muss sich die Familie vor den Nazis in einem Amsterdamer Hinterhaus verstecken. Hier endet das Fotoalbum der Franks - stattdessen erzählt Annes Tagebuch von der Isolation der Familie in ihrem Versteck, in dem sie bis zur Deportation 1944 lebte. Das letzte Foto von Anne ist aus dem Jahr 1942, eines der alljährlichen Porträts, die sie an ihre Großmutter in die Schweiz schickt. Anne, dreizehn Jahre alt und mit widerspenstigem schwarzen Haar, lacht in die Kamera. Ein Foto, das heute mehr ist als ein Familienschnappschuss: ein Symbol für sechs Millionen im Holocaust umgekommene Juden.</P><P>Kein Foto in der Ausstellung zeigt Otto Frank. Nur manchmal ist er präsent: als Schatten, der lang in die Bilder hineinragt und sich zu seinen lachenden Töchtern gesellt. Otto Frank überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust. Seine Leica hat er nie wieder benutzt.</P>

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