Das bisschen Sex

Theaterakademie mit "Hello Again": - Das ist im Grunde eine absolut ernste Sache, dieses "Hello Again". Es nennt sich zwar Musical, was der hierzulande noch zu entdeckende US-Komponist und Autor Michael John LaChiusa 1994 aus Schnitzlers "Reigen" gemacht hat, ist aber inhaltlich und musikalisch ganz und gar nicht das erwartete schmissig-leichte Entertainment.

Statt frivol-dekadentes, bürgerliches Wien um 1900 bei LaChiusa ein Amerika im nüchternen Wandel des 20. Jahrhunderts.

Ohne Pardon, geradezu filmrealistisch besorgte Silvia Armbruster jetzt für die Bayerische Theaterakademie im Akademietheater die deutsche Erstaufführung. Hut ab vor den Musical-Studenten (Absolventen und dritter Jahrgang) für ihre souveräne Spielhaltung in dieser "Basic-Instincts"-Inszenierung.

"Besenkammer"-Acts, fast alles. Die Dirne mit dem Soldaten. Der mit einer Krankenschwester. Diese mit einem knöchelverstauchten Studenten, dem gleich darauf die Ehefrau, trotz ihres "Ich bin moralisch vernichtet", auf einem Kinosessel an anderer Körperstelle liebevolle Pflege angedeihen lässt.

Es ist wohl die heikelste, aber ­ im Rhythmus der Musik! ­ auch die gelungen komischste Szene, mit Manuel Steinsdörfer und Milica Jovanovic. Wunderbar ihre Persiflage, stimmlich und darstellerisch. Spätestens hier wird Armbrusters durchgezogenes Quickie-Konzept schlüssig: Mit dieser von Ramses Sigl choreographisch unterstützten Rammel-Gymnastik nimmt Armbruster "das bisschen Sex" ­ Marlene Dietrichs Bilanzierung ihrer zig Affairen ­ humorvoll auf die Schippe und zeigt dahinter zugleich (und das ist der Unterschied zum Schnitzler-Personal) das Bedürfnis nach einem echten Gefühl, "nach Geborgenheit, Sicherheit", wie es das junge Ding ausdrückt.

Gut Konstantin Krisch als homoerotisches Objekt der Begierde. Stimmlich sind die Studenten nicht so gut drauf wie letzthin im melodisch süffigen "South Pacific". Stellenweise hat "Hello Again" den typischen US-Musical-Klang à la Gershwin, Rogers und Bernstein. Aber LaChiusa liefert keine Ohrwürmer, sondern durchkomponiertes Musiktheater. Und der Wechsel von den meist rhythmisch-minimalistisch untermalten Sprechpassagen, manchmal nur ein paar Sätze, zum Gesang ist für die Studenten noch kniffliges Neuland.

Ein wichtiger Lernprozess war es allemal. Und wenn auch manches sich noch einspielen muss, mit Philip Tillotson (auch am Klavier) und seiner Combo schaut man ihnen durchgehend mit Interesse zu.

An diesem Samstag und 6. - 11. 3., 20.30 Uhr.

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