Ein bisschen Babel, ein bisschen Merz

- "Die Utopie wird immer besser, während wir auf sie warten." Alexander Kluge hat dieses Motto vorangestellt. Und Chris Dercon hofft, dass in seinem Münchner Haus der Kunst die "Utopia Station" nie fertig sein wird. Das Riesenprojekt, das Disziplinen, Künstler, Instituionen gleichermaßen zum Dialog zusammenführt, auf der Biennale in Venedig präsentiert wurde und nun in München Zwischenstopp macht, spuckt laute Töne, brodelt rund um einen Holzturm und sendet seine Ideen aus in die ganze Stadt. Drei Stockwerke kann man sich hinaufarbeiten, ständig umgeben von Klangteppichen, konfrontiert mit Sprüchen, Plakaten, Bildern, Filmen und geballtem Geistesgut.

<P>Molly Nesbit und Hans Ulrich Obrist haben das Münchner Spektakel als durchaus politischen Kontrast zur Museumskultur kuratiert. 200 Künstler, Architekten, Schriftsteller und Musiker machen sich unter ihrer Federführung auf die Suche nach einer heilsamen Utopie. Genau in jenem Raum, wo einst Hitler mit seinen Reden das Volk verhetzte, steht jetzt Rirkrit Tiravanijas Turm: Ein bisschen Babel, ein bisschen Merz, so präsentiert er in vielen Varianten die Grundanliegen. Das sind Friedensstempel auf Landkarten, gelesene Philosophie oder Kinderbilder einer Regenbogenwelt. Zusammen soll das ein "Rendezvous von Fragen" (Dercon) ergeben, die auf allen medialen Ebenen erörtert werden. "Utopia Station" soll schließlich ein Prozess sein auf dem Weg nach nach Porto Alegre, wo das Weltsozialforum für mehr Humanität tagt.<BR><BR>An diesem Wochenende wird der Weg mit Radiobeiträgen, Diskussionen und Performances geebnet. Das Ganze wird ein mäandernder, lautstarker, revolutionärer, aber friedlicher Marsch, geprägt von persönlichen Idealen. Auch wenn vor dem Eingang des Hauses Leon Golubs Fahne weht, die einen bissigen Hund auf aggressivem Rot vor den Utopia-Karren spannt, auch wenn dazu die Lautsprecher draußen bellen, weiß man: Hunde, die bellen, beißen nicht. Sie träumen von einer besseren Welt.</P><P>Bis 16.1., Programme vor Ort oder im Internet unter www.hausderkunst.de. Telefon 089/ 21 12 71 57.<BR></P><P> </P><P> </P>

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