Ein bisschen Detektivarbeit

- Als Kind hörte er Yo-Yo Ma im Münchner Herkulessaal das Cello spielen, seither kommt er von diesem Instrument nicht mehr los. Die Rede ist von Daniel Müller-Schott. Geprägt wurde er von Walter Nothas, Heinrich Schiff und Steven Isserlis, und er genoss die persönliche Förderung von Anne-Sophie Mutter als Stipendiat ihrer Stiftung. In kurzer Zeit gelang es dem heute 27-Jährigen, sich in der Weltspitze der Cellisten zu etablieren. Heute Abend tritt er im Münchner Herkulessaal auf zusammen mit Robert Kulek, Partner am Klavier.

<P>Sie spielen Werke von Schumann, Previn, Beethoven und Franck; welche Idee steht dahinter?<BR><BR>Daniel Müller-Schott: Zum einen sind es Kompositionen aus drei Jahrhunderten und zum anderen Werke, die ich über die Jahre oft gespielt und mit denen ich mich intensiv auseinander gesetzt habe. Die Previn-Sonate wurde hier noch nie gespielt. Ich glaube, das ist nicht nur die Münchner, sondern gar die deutsche Erstaufführung. Zwei der Werke sind ja ursprünglich nicht fürs Cello komponiert, was ich immer sehr reizvoll finde. Schumann hat diese Fantasiestücke für Klarinette und Klavier konzipiert, und auch die Franck-Sonate ist für Violine und Klavier geschrieben. <BR><BR>Die Sonate von André Previn liegt Ihnen besonders am Herzen? <BR><BR>Müller-Schott: Sie wurde vor zehn Jahren geschrieben und ist Yo-Yo Ma gewidmet. Nachdem ich das Glück habe, mit Previn arbeiten zu können, war von meiner Seite ein großes Interesse da, ein Werk von ihm ins Programm zu nehmen. Es war dann sehr spannend, sie ihm vorzuspielen und mit ihm über die Entstehungsgeschichte, auch über die verschiedenen Stimmungen zu reden. Es sind Jazzelemente darin, viele romantische Details und auch moderne Aspekte, die mich sehr an Hindemith erinnern. <BR><BR>Welchen Stellenwert haben Duo- beziehungsweise Kammermusikabende? <BR><BR>Müller-Schott: Den höchsten. Ich glaube, dass man sich in der Kammermusik am persönlichsten ausdrücken und ganz intensiv die Details herausarbeiten kann. Als Solist ist einem das mit einem Orchester allein schon aufgrund des Probenzeitdrucks nicht möglich. Ich empfinde es als beglückend, mit Kollegen Kammermusik zu machen.<BR><BR>Haben Sie deshalb auch für ihre beiden ersten CD Produktionen Kammermusikwerke gewählt? <BR><BR>Müller-Schott: Ja, wobei die CD-Produktionen auch - vor allem die erste - aus meinem Konzertplan entstanden sind, weil ich im Bach-Jahr die Bach-Suiten so oft gespielt hatte. Das nächste Projekt kam dann aus einem völlig anderen Bereich: der impressionistischen Musik. Hier hat mich die Welt der Farben des 19. und 20. Jahrhunderts fasziniert. Dann folgte die Haydn und Beethoven-CD, die die Zusammenarbeit mit Kammerorchester repräsentiert. Das nächste Projekt wird mit Symphonieorchester sein. <BR><BR>Sie lesen bevorzugt Künstlerbiografien. Wie stark beeinflussen deren Inhalte Ihre Interpretationen?<BR><BR>Müller-Schott: Das ist wie eine Zeitreise, man taucht in die Epoche und Periode eines Komponisten ein und forscht, was er in dieser Zeit erlebte, und man bekommt wirklich das Gefühl, näher an der Botschaft des Komponisten dran zu sein. Das ist so ein bisschen Detektivarbeit, die mir unheimlich viel Spaß macht.<BR><BR>Sie erarbeiten sich Werke teils auch anhand der Autografen. Wie viel Zeit investieren sie dafür? <BR><BR>Müller-Schott: Das ist unterschiedlich. Bei den Bach-Suiten habe ich sehr genau den Urtext studiert, die vier Quellen der Suiten. Bei Beethoven-Sonaten hatte ich das Glück, im Beethovenhaus die Autografe zu betrachten. Es ist absolut faszinierend zu sehen, wie Beethoven gekämpft und wie oft er Dinge wieder durchgestrichen hat. Er muss innerlich gebrodelt haben, als er die Musik geschrieben hat. Wann immer ich die Gelegenheit habe auf Reisen, gehe ich in ein Archiv und schaue mir Noten an.<BR><BR>Was ist für Sie das Anziehendste am Cello? <BR><BR>Müller-Schott: Mich hat schon als Kind beeindruckt, dass man das Cello so schön im Arm hält, dass man es eigentlich umarmt. Darüber hinaus liebe ich die Lage des Cellos: Sie hat eine unheimliche Wärme.</P><P>Das Gespräch führte Dorothea Hußlein <BR></P>

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