Premiere im Cuvilliés-Theater

Das bisschen Haushalt

Oliver Nägele und Michael von Au als unterhaltsame Zerstörer in der Komödie „Das Ende vom Anfang“

Männer können rechte Hornochsen sein: Halten sich für die Besten, machen einen auf dicke Hose – und hinterlassen, gerade weil sie sich gnadenlos überschätzen, nichts als Trümmer. Selbst das Schöne können solche Typen nicht wirklich schätzen, wie Dieter Dorn gleich zu Beginn seiner Inszenierung von Sean O’Caseys Komödie „Das Ende vom Anfang“ klarmacht: Er lässt ein veritables Rindvieh über die Bühne im Cuvilliés-Theater trampeln, das an einer wunderbaren Blume erst noch schnuppert, bevor es sie gleichgültig zertritt.

Das Schicksal der Blume wird an diesem Abend auch das Schicksal des Hauses von Lizzie und Darry Berrill sein: verwüstet, zerstört, kaputt. Denn Darry will seiner Gattin beweisen, dass er das bisschen Haushalt auch allein hinbekommt: „So Gott will, ist es nicht das Ende, und wenn ich zurückkomm’, stehen nur noch die vier Wände“, raunt Eva Schuckardt als Lizzie unheilschwanger, bevor sie ihrem Mann das Haus, Oliver Nägele die Bühne überlässt. Doch dessen Darry bleibt nicht lang allein, denn Freund Barry Derrill taucht auf – und fortan machen beide sich daran, Lizzies Unheils-Prognose Wirklichkeit werden zu lassen. Und es ist ein großer Spaß, ihnen dabei zuzusehen.

Denn Darry und Barry sind ein bisschen wie die Film-Komiker Dick und Doof – wobei zumindest der extrem kurzsichtige Barry in seiner kibbeligen Schusseligkeit wirkt, als habe er sich ordentlich Speed reingepfiffen. Überhaupt liebt Dorn das Spiel mit Zitaten: Charlie Chaplin, „Dinner for One“ – ja, selbst den Hardrockern von AC/DC erweist er seine Reverenz. Denn erinnert Michael von Au mit seinen Veits-Tänzen, während er die Mandoline spielt, nicht an den AC/DC-Gitarrist Angus Young – mit zu kleiner Landwirtschafts-Latzhose anstatt einer Schuluniform?

Es ist vor allem das wunderbare Duo Nägele/von Au, das diese Inszenierung so unterhaltsam, so spaßig, so toll macht. Sie beginnen ruhig, beinahe zu verhalten, um dann nach und nach einen Taifun der Zerstörung auf der Bühne zu entfesseln: zum Gaudium des Publikums. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil beide – ja, der Vergleich sei erlaubt – wie ein altes Ehepaar agieren. Nägele und von Au verstehen sich, ihr Timing passt immer, sie spielen temporeich und nehmen sich im rechten Moment zurück. Keiner versucht hier, dem anderen die Schau zu stehlen.

Oliver Nägele macht aus Darry einen durchtriebenen Bauernschlauen, dem man aber nie böse sein kann, weil er ein gutes Herz hat. Trotz beachtlicher Körperfülle absolviert er ein strammes Bewegungsprogramm – bis hin zum halsbrecherischen Versuch, eine Glühbirne auszuwechseln. Hier zieht Nägele die Komik gerade auch aus der Körperbeherrschung. Überhaupt sind beide großartig im Spiel ohne Worte, auf das jede gelungene Inszenierung einer Komödie angewiesen ist.

Michael von Aus Barry ist ein musikalischer Schlaks, ein bisschen beschränkt, aber einer, der es nur gut meint und eben dadurch Katastrophen auslöst. Von Au, der gerade mit dem Merkur-Theaterpreis ausgezeichnet wurde, spielt, als leide seine Figur heftig unter Hyperaktivitätsstörung – und setzt Barry so geschickt vom gemütlichen Darry ab. Genug Reibefläche für beide bleibt damit auch.

Ein unterhaltsamer, lustiger, facettenreicher Abend. Viel Applaus für die Schauspieler.

Nächste Vorstellungen:

am 7., 13., 14., 23., 27. 12., Karten: 089/ 2185-1940.

von Michael Schleicher

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