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Schwärmt für Surrealismus: Iris Lahner , pi.lot-Führerin, mit dem Werk „Totem und Tabu“ von Max Ernst .

Museumsführungen

Ein bisschen Lampenfieber

München - Schüler und ihr Lieblingskunstwerk. Diese Begeisterungs-Beziehung nutzen die jungen Kenner, um in Münchens Pinakothek der Moderne den Besuchern ihre Bild-Faszination zu vermitteln.

„Man sollte seine Begeisterung auf den Besucher übertragen können.“ Das, sagt Iris Lahner, sei wohl die wichtigste Eigenschaft eines guten Museumsführers. Knappe fünf Minuten dauert ihr Vortrag vor Max Ernsts Werk „Totem und Tabu“ in der Münchner Pinakothek der Moderne. Und in dieser kurzen Zeit gelingt ihr genau das: ihre Begeisterung für das surrealistische Bild an ihre Zuhörer weiterzugeben.

Etwas Vita, etwas Technik, geschickt verquickt mit einer individuellen Bildbeschreibung und Interpretation. Ganz zum Schluss lässt sie den Maler selber sprechen und ist für Nachfragen gewappnet. So viel Professionalität ist erstaunlich. Denn Iris ist erst 18 Jahre alt und besucht die zwölfte Klasse des Asam-Gymnasiums; ihre Ausbildung zur Museumsführerin dauerte genau fünf fleißige Tage, am sechsten musste sie bereits ins kalte Wasser springen.

Wie die etwa 170 anderen Münchner Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 19 Jahren, die in den vergangenen vier Jahren die pi.lot-Seminare der Stiftung Pinakothek der Moderne und der Stiftung art.131 des Bayerischen Kultusministeriums besucht haben. Danach warten die jungen Experten sonntags mit dem pi-Button zwischen 11.30 und 13 Uhr vor ihren ausgewählten Exponaten in der dritten Pinakothek. Bereit, den Besuchern weiterzugeben, was jeder von ihnen während des pi.lot-Grundkurses, begleitet von zwei Seminarleitern und unter Anregung von Künstlern und Kunsthistorikern, vor den Werken und in Bibliotheken individuell erarbeitet hat. Auch ein Sprechkurs ist Teil der kleinen Ausbildung in der Woche vor den Schulferien, für die die Schüler vom Ministerium freigestellt werden.

„Uns ist wichtig, dass es kein kunsthistorisches Schema gibt“, betont die Architektin, Kunsthistorikerin und auch pi.lot-Seminarleiterin Yvonne Christiane Bruderrek, „sondern dass man über alles nachdenken kann und es möglichst frei und unkompliziert ist“. Ungefähr 80 Exponate aus Kunst und Design stehen derzeit auf der Liste von rund 60 pi.loten, die etwa für Schulklassen auch mietbar sind. Das Feedback sei gut in Zeiten der Pisa-Studien: „Die Leute sind begeistert und oft auch überrascht, wie routiniert und selbstverständlich die Schüler die Vorträge ausgearbeitet haben und wie viel sie sich in der kurzen Zeit angelesen haben.“

Einige Schüler begleiten das Projekt schon seit dem ersten Grundkurs im Februar 2005. In der Regel bleibe etwa ein Drittel, ein Drittel komme eher sporadisch und ein Drittel falle weg, schätzt Bruderrek. Der 15-jährige Lukas Stich ist seit Februar 2008 dabei und hat sich schon zweimal beim Streifzug durch das Museum für ein Werk aus einer temporären Schau entschieden. Glück im Unglück: Nun wird er einen dritten Vortrag ausarbeiten, zum neu erworbenen Kerzenrußbild „Auktion Ich Picasso“ von Jiri Georg Dokoupil, das ihn wegen der besonderen Technik interessiert. „Es kommt auf das Beschreiben an“, sagt er. „Wenn du’s nicht rüberbringen kannst, bringt ja Wissen auch nichts.“

Lukas sieht das Projekt als eine Art weiterführenden Kunstunterricht: „Was wir hier gelernt haben, hätten wir nie in der Schule gelernt.“ Der Lohn für seine Arbeit beträgt immerhin 15 Euro pro Sonntag – und das besondere Gefühl, die Besucher in ihrer Wahrnehmung zu bereichern.

Ein bisschen Lampenfieber ist natürlich auch dabei. Aber das gebe sich mit der Zeit, sagt Iris. Wenn man dann acht Vorträge hintereinander gehalten hat… Sie freut sich über den Wandel, den das pi.loten-Dasein in ihr bewirkt hat: „Seit dem Projekt schau’ ich die Kunst mit ganz anderen Augen an.“ Nach dem Abitur im nächsten Jahr will sie trotzdem nicht Kunst, sondern Wirtschaft studieren.

Informationen:

unter Tel. 089/ 33 51 50, www.stipimo.de. Dort gibt es außerdem ein Formular, um sich für ein pi.lot-Seminar anzumelden (Stiftung Pinakothek der Moderne). Das nächste wird vom 10. bis 15. Februar abgehalten, Anmeldeschluss 16. Januar.

von teresa Grenzmann

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