Bisschen Stress muss sein

- Das BallettTheater Philip Taylors - mittlerweile Münchens "Junge-Choreographen-Schmiede". Der neue Abend "Home and Away", am Sonntag im Gärtnerplatztheater (19 Uhr), präsentiert neben Taylors wiederaufgenommenem "Hallelujah Junction" die Uraufführungen "Straight Around" von Ex-Nederlands-Dans-Mitglied Dylan Newcomb, "Contes d'Amor" von Noch-Taylor-Tänzer Cayetano Soto und "Dream-sketch" von seinem Ex-Kollegen David Middendorp.

"Mein Ziel ist es, in unserem Repertoire Arbeiten zu haben, die nicht auch noch von zig anderen Ensembles getanzt werden", sagt Taylor und meint damit zu Recht das gängige Stücke-Karussell quer durch alle Theater. Seine Strategie ist also die "Choreographen-Pflege", vorwiegend in den eigenen Reihen: "Die Tänzer sind so kreativ. Da finde ich es wichtig, dass der Direktor ihnen Möglichkeiten bietet, sie vor allem auch ermutigt, wenn sie zweifeln." "Geh' Deinen Weg", stärkt er jetzt auch den begabten Katalanen Cayetano Soto, der ab nächster Saison mutig sich ausschließlich der Choreographie widmen wird. Taylor hofft, dass Soto dem BallettTheater trotzdem verbunden bleibt, so wie David Middendorp. Der Holländer, ein Computer-Tüfteltalent, ist zurückgekommen, um sein 2003 im Akademietheater ausprobiertes "Dreamsketch", einen witzigen Dialog zwischen Live- und computeranimierten Tänzern, fürs große Haus zuzuschleifen. In den Proben konnte man beobachten, wie Taylor die jungen Tanzschöpfer auf noch kleine dramaturgische Schwächen aufmerksam macht, ohne zu gängeln.<BR><BR>Für den "Koordinator" Taylor noch weitere Aufgaben: "Der Musiker und Pianist Oleg Tashnikof hat zum ersten Mal die musikalische Leitung. Das ist insgesamt kein leichtes Programm. Für sein nun bereits drittes Stück fürs Ensemble hat Soto sich ,Odradek des Israeli Gideon Lewensohn ausgesucht. Und der ist eigens hergekommen, um mit den Musikern hier zu arbeiten, weil sein Streichquartett sehr schwer zu spielen ist."<BR><BR>Ein bisschen Stress auch bei der Kreation von Dylan Newcomb, der im Gärtnerplatztheater bereits mit seinem Solo "Passing" punktete. Für sein neues, in asiatischen Denkweisen wurzelndes "Straight Around" komponierte Philip Perez-Santiago synchron zum choreographischen Prozess. Taylor: "Die Noten kamen erst eine Woche vor der ersten Hauptprobe! So etwas sind die Orchestermusiker nicht gewöhnt. Da stoßen ganz verschiedene Mentalitäten aufeinander." Daher also auch der Titel "Home and Away".

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