Bis zur bitteren Neige

- Lange galt Edwin Noël als einer der besonders begabten jungen Schauspieler. Zwölf Jahre, von 1971 bis 1983, gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, war hier zu sehen u.a. in "Frühlings Erwachen", "Sonntagskinder", "Fegefeuer in Ingolstadt", "Dantons Tod", "Wie es euch gefällt", "Platonow" . . .

<P>Ein kluger, melancholischer Heißsporn. Unerbittlich in seinem Qualitätsanspruch. Ein Schwieriger und Stolzer dazu. Einer, wie ihn eigentlich das Theater braucht. Ab Mitte der 80er-Jahre arbeitete Edwin Noël als so genannter freier Künstler, spielte am Residenztheater die Hauptrolle im "Stellvertreter", inszenierte in Berlin, war ab und an im Fernsehen zu sehen. Dann wurde es still um ihn. Ohne Grund, ohne logische Erklärung. </P><P>Den Schmerz, als Schauspieler plötzlich nicht gefragt zu sein, kostete Edwin Noël ungebeugt bis zur bitteren Neige aus. Am Sonntag hat er sich - zwei Wochen vor seinem 60. Geburtstag - erschossen. "Er ist", sagt eine Freundin von ihm, "daran gestorben, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, dass sie ihn einfach weggeschmissen und vergessen haben".</P><P>Noël hinterlässt neben seiner erwachsenen Tochter Muriel Baumeister einen zehnjährigen Sohn.</P>

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