Bittersüße Ohrwürmer

- Max Raabe bringt man vor allem mit seinem Palast Orchester in Verbindung, 2006 feiert man zwanzigjähriges Jubiläum. Doch immer wieder findet der charismatische Charmeur mit der beweglichen Augenbraue und den geschliffenen Manieren Zeit, mit seinem langjährigen Pianisten Christoph Israel Ausflüge ins Solo-Programm zu unternehmen.

"Max Raabe singt" heißt es da schlicht, und so war er jetzt im ausverkauften Prinzregententheater zu hören. Der staatlich geprüfte Bariton versteht es wie kein Zweiter, ohne Ermüdungserscheinungen sein Publikum mit den Ohrwürmern der 20er- und frühen 30er-Jahren und auch eigenen Kompositionen wie "Klonen" zu begeistern.

Lässiges Understatement ist das A und O für diesen wieder auferstandenen "Bel Ami", der in Frack und Vatermörder gewandet, mit subtiler Ironie die geistreichen und bittersüßen bekannten und weniger bekannten Schlager vorträgt. Unter anderem von Walter Jurman, Mischa Spolianski, Max Kolpe, Werner Richard Heymann oder Emmerich Ká´lmá´n, darunter "Heute Nacht oder nie", "Mir ist so morbide", "War'n Sie schon mal in mich verliebt?" oder "Wenn man glänzend steppen kann". Für Letzteres ist Raabe jedoch nicht so zu haben.

Der im westfälischen Lünen aufgewachsene Entertainer brilliert mit trockenem Humor ("Fremdsprachige Stücke sind insofern reizvoll, da sie die Fantasie des Zuhörers besonders entfalten"), seine Gesten sind sparsam, aber trefflich platziert. Seine Stimme ist ausgesprochen flexibel, und er weiß zwischen sattem Brustregister und Kopfstimme raffiniert zu gestalten. Zurückhaltend und doch kraftvoll engagiert, ist Christoph Israel ein wunderbar sensibler Begleiter am Flügel. Es ist Musik, die einen in Schlagern nie mehr erreichten Charme ausstrahlt. Dem frenetischen Beifall ließ Raabe ein paar Zugaben folgen.

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