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„Blackstar“ ist eine Platte wie der ewige Exzentriker selbst. 

Letztes Album seiner Karriere

"Blackstar": Das letzte Album von Pop-Legende David Bowie

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München - An seinem 69. Geburtstag machte Pop-Legend David Bowie seinen Fans ein großes Geschenk: Mit „Blackstar“ veröffentlichte er das vielleicht beste Album seiner Karriere - wie sich nun herausstellte, sollte es sein letztes sein.

Wenn David Bowie Geburtstag hat, dann stehen die Chancen gut, dass er Geschenke verteilt. Und wie könnte ein Bowie seine Fans glücklicher machen, als mit neuer Musik? Am 8. Januar 2013 tauchte aus dem Nichts „Where are We now?“ im Internet auf, eine wunderbar sentimentale Reise zurück ins West-Berlin der Siebziger, seine erste neue Single nach zehn Jahren Pause, nach Herzinfarkt und Rückzug ins Privatleben. Am Freitag wurde Englands Pop-Legende 69 – und sein Präsent ist noch üppiger ausgefallen als vor drei Jahren. Er wusste wohl, dass es das letzte Geschenk an die Fans sein würde.

„Blackstar“ ist Bowies 25. Studioalbum, und eine Platte wie der ewige Exzentriker selbst: verstörend, geheimnisvoll, pompös, mutig, großartig. Voller Fragen, ohne Antworten. Weltweit debattieren Kritiker bereits, ob David Bowie im 50. Jahr seiner Karriere eines seiner besten Alben aufgenommen hat.

In den Pop-Charts wird allerdings keiner der nur sieben Titel auftauchen, die Bowie überwiegend mit Jazzgrößen aus dem New Yorker Club „Bar 55“ eingespielt hat. Denn mit Pop, mit Rock hatte der Meister – zumindest diesmal – nichts am Hut. Weil der Sänger selbst seit Jahren keine Interviews mehr gibt, erklärte sein Langzeit-Produzent Tony Visconti im „Rolling Stone“, was Bowie im Schilde führte: „Das Ziel war, Rock’n’Roll unbedingt zu vermeiden.“ Und dieses Vorhaben ist fraglos gelungen. Vom glamourösen Pop-Bowie („Let’s dance“) und vom kernig rumpelnden Rock seiner letzten Alben („Reality“) könnte „Blackstar“ gar nicht weiter entfernt sein. Die Platte irritiert und begeistert mit verschrobenen Jazz-Klängen, mit Stücken hart an der Zehn-Minuten-Grenze, durch die Bowies gealterte Stimme hallt. „Blackstar“ ist eine Zumutung (nicht zuletzt für seine Plattenfirma), eine Herausforderung, ein Abenteuer, ein Ereignis.

„Blackstar“ ist eine Platte wie der ewige Exzentriker selbst

Und doch hat Bowie keine Jazzplatte aufgenommen. Den Rockstar, „Heroes“ und „Ashes to Ashes“ kann er nicht an der Studiotür abgeben. Die Melodien, die Hymnen sind ganz Bowie – und machen das Zuhören leicht, aller schrägen Töne, aller Experimente zum Trotz. Visconti, seit 1969 („Space Oddity“) getreuer Begleiter, beschreibt das so: „Ein Bowie-Album, gespielt von Jazzmusikern.“ Star der Platte, neben Bowie himself, ist Saxofonist Donny McCaslin, aktuell für seine Arbeit mit Maria Schneider Grammy-nominiert. Er dominiert den Sound von „Blackstar“ mit machtvollem, bisweilen manischem Spiel.

9:57 Minuten dauert allein das vertrackte Titelstück, das nach knapp fünf Minuten einen völlig neuen Weg einschlägt, und das einen düsteren Bowie präsentiert, der nicht nur seine Hörer vor Rätsel stellt. Geht es um das Verglühen eines Sterns, beschreibt Bowie seine nachlassenden Kräfte, sein langsames Verschwinden? Donny McCaslin meint, Anspielungen an den IS herauszuhören. Und Visconti hat es längst aufgegeben, die Gedanken seines Meisters zu erforschen: „Er spricht nie mit mir über Texte. Er denkt, dass die Musik die Botschaft rüberbringt.“

Zurück auf die Konzertbühne zog es Bowie nicht mehr

Andere Stücke erschließen sich leichter. „Lazarus“ hat Bowie für sein gleichnamiges Musical geschrieben, das gerade in einem Off-Broadway-Theater läuft. Darin geht es um die Fortsetzung der Novelle „Der Mann, der vom Himmel fiel“, die Bowie schon in den Siebzigern vertonte. „’Tis a Pity she was a Whore“ thematisiert mit mächtigem Schlagzeuggewitter das Grauen des Ersten Weltkriegs. Und „Girl loves Me“ ist eine Hommage an den Film „Uhrwerk Orange“.

Bowie hat gewagt und hat gewonnen mit seinem sicherlich wichtigsten Album seit „Let’s dance“ 1983. Ein weltweit ersehntes weiteres Geschenk wird er seinen Fans nicht mehr machen können. Die „Reality“-Tour 2003/04 bleibt Bowies letzte Konzertreise.

David Bowie:„Blackstar“ (Sony).

Lesen Sie hier: Reaktionen zum Tod von David Bowie - "Die Welt hat einen Helden verloren"

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