Blaue Bohnen über Moskau: Russische Krimiautorinnen auf dem Vormarsch

- Frankfurt/Main - In den Krimis der russischen Autorin Darja Donzowa lauert das Verbrechen überall - selbst in einem harmlosen Moskauer Schnellrestaurant. Und wenn es nach Alexandra Marinina geht, dann sollte man sich auch in russischen Sanatorien vorsehen: In den Kellerräumen lassen sich Psychopathen bei Lustmorden filmen. Wie gut, dass Marininas clevere Kommissarin Anastasija Kamenskaja zur Stelle ist und den Schurken das Handwerk legt wie im Krimi "Auf fremdem Terrain" (S. Fischer).

 <P>Krimis aus weiblicher Feder sind in Russland ein Renner und erzielen hohe Auflagen. 52 Millionen mal verkauften sich allein die "ironischen Krimis" von Donzowa. Aber auch deutsche Verlage setzen stark auf die Damenriege aus Moskau: die Ex-Polizistin Marinina, die den Trend begründete, dazu Donzowa, Polina Daschkowa, Anna Dankowzewa, Viktoria Platowa, Tatjana Stepanowa. Einziger Mann unter den ins Deutsche übersetzten russischen Krimi-Autoren ist Boris Akunin mit seinen historischen Detektivgeschichten.</P><P>"Russische Krimis laufen im Moment gut", sagt der Chef des Aufbau-Verlages, Bernd Lunkewitz, auf der Frankfurter Buchmesse. Die Russen brächten Abwechslung in das angelsächsisch geprägte Genre, eine neue Exotik der Schauplätze. "Viele Leser kennen sich in den dunklen Gassen von New York und Chicago besser aus", meint Lunkewitz.</P><P>Jetzt lernen also deutsche Leser die kriminelle Seite der alten Straßen um den Moskauer Kreml kennen, die Nachtseiten der schicken Restaurants und Clubs der Glitzermetropole, die finsteren Geheimnisse prunkvoller Villen am Stadtrand. Muss also der Moskau-Tourist, der russische Krimis liest, fürchten, gleich neben dem Roten Platz in die Hände der Russenmafia zu fallen?</P><P>Der Zusammenbruch des Kommunismus hat wenige reich, aber viele arm gemacht und Russland tatsächlich eine Welle von Gewalt und Verbrecken beschert. Aber die Moskauer Krimidamen leugnen heftig, dass die grausamen Kriminalfälle, die sie mit viel Fantasie beschreiben, etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben.</P><P>"Das Problem der Kriminalität ist in Russland nicht größer oder kleiner als in Deutschland", sagt Daschkowa, die bei Aufbau ihr mittlerweile drittes Buch "Russische Orchidee" herausgebracht hat. Auch Donzowa hat angeblich in Moskau "noch nie einen Mafioso gesehen", auch wenn es in ihren Werken von Unterweltautoritäten wimmelt. Ihre Krimis seien "Märchen für Erwachsene", vor allem für Frauen, meint sie. Von Donzowas Büchern, der Lieblingslektüre der Moskauer in der U-Bahn, sind "Der unschuldige Mörder" und "Ein Hauch von Winter" auf Deutsch bei Bertelsmann erschienen.</P><P>Die Frauennamen auf den Covern verkaufen sich gut. Doch für russische wie deutsche Leser bleibt verborgen, wie weit die weibliche russische Kriminalliteratur tatsächlich von Frauen verfasst wird. Donzowa selbst schreibt auch Romane unter einem männlichen Pseudonym. Der Literaturkritiker Waleri Schubinski aus St. Petersburg vermutet bei einigen Damen ein finsteres Geheimnis. "Nicht selten schreiben Männer unter weiblichen Künstlernamen Romane über Untersuchungsrichterinnen und Privatdetektivinnen", schrieb er in der Zeitung "Die Welt".</P>

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