Blaue Venen und Äderchen

- Dies ist die Geschichte von einer kleinen, zierlichen Künstlerin, die mit einfachsten Mitteln und beachtlicher Vorstellungskraft eine große, runde Wand eroberte.

<P class=MsoNormal>Im April kam die renommierte amerikanische Zeichnerin Christine Hiebert, die 1960 in Basel geboren wurde, mit einer Rolle blauen Klebebands aus ihrer Heimat Brooklyn, New York, nach München gereist, um in der Pinakothek der Moderne die oberste Etage der Rotunde zu gestalten. Tagelang beobachtete sie den herausfordernden Arbeitsplatz und Ausstellungsort, das Licht, das durch die Glasrechtecke der Flachkuppel brach und geometrische Figuren auf Wände, Pfeiler und Balustrade zeichnete, die Wege der Besucher. </P><P class=MsoNormal>Dann machte sie sich mit Leiter, Messer und Klebeband an die beiden fünf Meter hohen, rechteckigen Wände der Rotunde, versah sie mit blauen Venen und Äderchen, feiner, stärker, gerade und verschlungen. Sie ergänzte ihren "RoundTri" an der inneren Balustradenwand und hauchte so dem lichten, aber kahlen Herzen der dritten Pinakothek Band für Band ein museales Leben ein.</P><P class=MsoNormal>Wo bisher nur das Wetter seine Werke zeichnen durfte, tritt nun die Linienwelt Hieberts in einen ständigen luftigen Dialog mit dem Blau des Himmels, dem Gelb der Sonne und dem Grau der Schatten. Und mit einem weiteren Kunstwerk, das diese drei Farben ebenfalls beinhaltet: mit der Fadeninstallation "Untitled (Rotunda)", der letzten Arbeit des 2003 verstorbenen amerikanischen Künstlers Fred Sandback.</P><P class=MsoNormal>Dessen blaue, gelbe und schwarze Wollfäden weisen die jeweils fünf hohen Toröffnungen zu beiden Seiten der großen Hiebert-Wände in ihre rechteckige Grundform innerhalb der Rotunde. "Ich habe versucht, Sandback respektvoll und freundlich zu begegnen", erklärt die Künstlerin ihre zurückhaltenden Bezugnahmen auf sein Fadenwerk. Auf diese filigran dezente Weise - und mit Hilfe des neu geschaffenen Trusts "American Patrons of the Pinakothek" - haben die beiden Künstler die Himmelskrone der Pinakothek der Moderne für den Museumsraum geöffnet.</P>

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