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Der Luzerner Wundersaal: Seitdem Kunstminister Wolfgang Heubisch dort war, hat sich seine Meinung verfestigt – die Isar-Insel braucht einen Neubau.

„Wo bleibt der Mehrwert?“

Die Sache ist vertagt. Kunstminister Wolfgang Heubisch will erst im Januar die Machbarkeitsstudie für einen Konzertsaal auf der Münchner Museumsinsel vorstellen. Was sich abzeichnet: Unter bestimmten Voraussetzungen könnten sich die Museumsleute mit dem Projekt anfreunden.

„Mehrwert“ heißt das Zauberwort. Und das könnte jene Türen doch noch öffnen, die im vergangenen Mai mit dem Nein des Museums-Kuratoriums zugeschlagen wurden. Damals hatte sich das Gremium gegen einen Konzertsaal auf der Isar-Insel ausgesprochen. Sollte aber das Museum von einem solchen Projekt doch profitieren, sollten also genügend Räumlichkeiten für eigene Belange zur Verfügung stehen, dann könnte es tatsächlich zu einer erneuten Diskussion inklusive Abstimmung kommen.

Alles noch Zukunftsmusik, gewiss. Zumal sich die Debatte um einen Münchner Konzertsaal in die Länge zieht. Eigentlich wollte Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) in dieser Woche die Machbarkeitsstudie präsentieren. Daraus wird nun nichts, der Minister lässt noch Änderungen vornehmen, wie berichtet wird. Es ist dabei kein Geheimnis, dass Heubisch die Maximallösung favorisiert: Abriss des Kongresssaal-Gebäudes und Neubau mit einer möglichst ambitionierten Architektur.

Was manchen Denkmalschützer aufschreien lässt, könnte aber die Lösung bringen. Konzertsaal, Räume fürs Orchester und Platz für Museums-Einrichtungen, das alles kann kaum im bestehenden Gebäude untergebracht werden. Und dies ist mittlerweile auch manchem im Kuratorium des Deutschen Museums, dem wichtigsten Entscheidungsgremium, klar geworden. Lassen sich also Musik und Museum doch verbinden, dann wäre damit eine neue Sachlage entstanden. „Wir sehen dem mit Interesse entgegen“, wie ein Kuratoriumsmitglied sagte. „Es muss für uns einfach etwas Zusätzliches herausspringen. Und dieser klare Mehrwert muss uns dargelegt werden.“

Das Problem an der derzeitigen Saal-Debatte ist, dass sich das Kunstministerium auf die Isar-Insel geradezu versteift hat. Mariss Jansons, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, kann sich bekanntlich auch einen Saal im Finanzgarten an der Galeriestraße vorstellen. Hauptsache, das Projekt wird überhaupt irgendwo verwirklicht, da gibt der Pultstar den Realisten.

Außerdem sind mittlerweile ganz andere Stimmen zu vernehmen, vereinzelt übrigens auch aus dem Bayerischen Rundfunk. Ob man nicht doch das Grundstück gegenüber dem Circus Krone in Erwägung ziehen sollte? Der Vorteil: Dieses Areal ist in Staatseigentum, hier stellen sich einem Saal folglich die wenigsten Hindernisse entgegen.

Sind die Tage des Kongresssaales gezählt? Die Raumwünsche des Deutschen Museums und der Konzertsaal-Befürworter lassen sich offenbar kaum im bestehenden Gebäude auf der Münchner Isar-Insel unterbringen.

Weit ausstrahlendes städtebauliches Zeichen mit vorausgehenden kräftezehrenden Überredungsmaßnahmen oder eine Nummer kleiner und damit machbarer, auf diese Frage läuft die ganze Diskussion hinaus. Heubisch und die Kongresssaal-Fans führen dabei weitere Argumente ins Feld: Private Geldgeber ließen sich nur für Leuchtturm-Projekte finden. Sponsoren, so glauben sie, seien leichter für einen spektakulären Neubau auf der Isar-Insel zu begeistern. „Wir wollen Visionen sehen“, lautet Heubischs Credo. Seit der Minister den Wundersaal in Luzern besucht hat, hat sich seine Haltung noch verstärkt: Was eine im Vergleich zu München kleine Stadt gestemmt hat, das müssten wir erst recht können. Ein Neubau, darauf wird hingewiesen, komme hier nicht unbedingt teurer als eine aufwendige Sanierung des bestehenden Gebäudes.

Ende Januar soll die Machbarkeitsstudie veröffentlicht werden. Die vorläufigen Ergebnisse, die jetzt durchgesickert sind, überraschen nicht. Demnach sei ein Konzertsaal auf der Museumsinsel möglich, ein Neubau erst recht – was eben dabei herauskommt, wenn eine Studie mit genau dieser Zielrichtung in Auftrag gegeben wird. Trotzdem arbeitet schon die politische Wellenmaschine. „Jetzt wird die Öffentlichkeit teilweise über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie informiert, nicht aber der Landtag oder der Haushaltsausschuss“, kritisiert Claudia Stamm von der Landtagsfraktion der Grünen. Ein solches Vorgehen hinter verschlossenen Türen „widerspricht jeglichem Grundverständnis von Demokratie und gebotener Transparenz“.

Was genaue Zahlen betrifft, halten sich die Saal-Befürworter weiterhin bedeckt – auch, weil bislang noch keine architektonischen Details festgelegt wurden. Schon geistern Summen bis zu 280 Millionen Euro für den Standort Isar-Insel durch die Debatte. Aus dem Kunstministerium kommt dazu nur eine Reaktion: kein Kommentar.

Markus Thiel

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