Mann verletzt mit Messer mehrere Menschen am Rosenheimer Platz: Täter flüchtig

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Bleichwangige Kopfgeburten

- Wenn zeitgenössischer Tanz zeitgemäß sein soll, steht er unter ständigem Selbsterneuerungs-Zwang. Nicht immer schafft er es aus eigener Kraft. Darum befruchtet er sich, mit mehr oder weniger Erfolg, grenzgängerisch am Theater, an bildender und Video-Kunst.

Und gerade entdeckt man bei Münchens Tanzwerkstatt Europa (TWE): Jetzt ist Sprache, im weitesten Sinne, die Erneuerungsquelle. Der TWE-Auftakt mit Nigel Charnocks furiosem Rede-Tanz-Marathon machte neugierig.

"Speak" ("sprich") nennt der in Deutschland lebende Brasilianer Rodolpho Leoni signalhaft sein Stück, will aus Schritten und Gesten "die Vision einer eigenen neuen Sprache" kreieren, ohne Worte. Neu? Ist nicht die sprachlose Mitteilung die Ur-Intention von Tanz? Und was teilt sich nun bei Leoni mit?

Körper herumschleudern oder gar nicht tanzen

Dem Verstand, dem Herzen nichts, dem Auge zweifellos zeitgenössisches Bewegungsmaterial - bis zum Überdruss: Schlackern und Schlenkern, Kurven und Kräuseln aus sämtlichen entspannten Gelenken von fünf ausgezeichneten Tänzern. Die auch mal im Duett - was aber auch noch kein "Miteinandersprechen" ergibt. "Speak" - ein sprödes, bleichwangiges Gebilde, das lediglich gegen Ende, dank Schlagwerk-durchpulstem Tempo, ein bisschen Farbe bekommt.

Kopfgeburt auch Erna Ómarsdóttirs Versuch, zum Computer "IBM - 1401" zu mutieren, der nach einer Anekdote Störfrequenzen in Töne umwandelte. Zum Schluss produziert die isländische Nymphe einen minutenlang wiederholten echohaften Singschrei. Ganz schön. Aber warum wirft sie sich fast eine Stunde lang schweißtreibend kataleptisch und unstrukturiert durch die Gegend?

Ratlos bleibt man auch bei Thomas Lehmen: "Lehmen lernt" (Titel) schreien, atmen, krabbeln, im Sandkasten spielen, später Autos in Parklücke einwinken, was nach der verbalen Bekundung gleich (weil's ja auch leicht ist) körperlich vorgeführt wird. Was er sonst noch alles lernt, vom Kuchenbacken bis zum Schreinern und U-Bahn-Fegen, wird per Video-Film eingeholt. Kein Spur von einer ernsten Anstrengung, seinen/ jedermanns Lebens-Lernprozessen eine tänzerische Form zu geben.

Mit irgendwas aus seinem privaten Bewegungsfundus dekoriert er seine unüberhörbar didaktische Lern-Litanei, hüpft auffallend immer wieder als sich kratzender Primat über die Bühne. Ist das seine Botschaft: über 8000 Sprachen gelernt, und immer noch Affe? Die Bescheidenheit seines Auftritts ehrt ihn. Macht aber seine Performance nicht dichter. Lehmen "hat gelernt, das zu tun, was er möchte". Und wir, pardon, nicht alles gut zu finden, was mit Hymnen bedacht hier anlandet.

Heute "I am a demon" von Pichet Klunchun, i-camp, 20.30 Uhr, 089/ 65 00 00.

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