Blick auf die Abendkasse

- Neuer Intendant, neuer Ballettchef, das ist zwar die allgemeine Gepflogenheit - aber kein allmächtiges Gesetz. Und da ist man jetzt zurecht hochgespannt: Wird Augsburgs Intendant Ulrich Peters beim Wechsel ans Münchner Gärtnerplatztheater 2007/08 Tanzchef Philip Taylor und sein inzwischen überregional renommiertes BallettTheater übernehmen? Oder aber, wie frühere Aussagen nahe legen, die ganz neue Strategie einer vorwiegend leichten, lukrativen Musical-Muse fahren?

Letzte Entscheidungen erst im Februar/März 06. Immerhin jetzt schon Sondierungsgespräche. Taylor, der sich im Musical bestens bewährte, hätte damit, wie er selbst betont, kein Problem. Ihm geht es vor allem um den Erhalt des bis jetzt Aufgebauten: Ensemble, Choreographenschmiede, Ausbildungs-Workshops in Münchner Schulen. Seine Gastspiele spielen überdies Geld ein.

Der 45jährige Brite, dessen Triple-Markenzeichen als Ensemble-Leiter Ausdauer, Flexibilität und Krisenbewältigung ist: "Um etwas aufzubauen, braucht man Zeit. Ballettchefs wie Neumeier, Forsythe, Stuttgarts Reid Anderson und und haben auch nicht nach fünf oder zehn Jahren gewechselt."

Ulrich Peters dagegen: "Theater lebt vom Wechsel. Ich selbst bin immer schon vor einer anstehenden Personalveränderung gegangen . . . Ich schätze Taylor sehr, kann mir eine Zusammenarbeit vorstellen, auch mit ihm als Gastchoreographen. Es hängt auch von seinen Vorstellungen ab. Noch ist alles offen."

Den Augsburger Tanzchef Jochen Heckmann bringt Peters nicht mit, schaut sich inzwischen deutschlandweit nach Kandidaten um, insgesamt überraschend tanzpositiv und sehr präzise: "Wenn Kürzung, dann nicht bei der Sparte Tanz. Ich werde in der von Taylor begonnenen Richtung weitermachen. Um die 22 Ensemble-Mitglieder. Gastspiele, ja. Kein Operetten-Service der Tänzer, mit notfalls kleinen Ausnahmen.

Denn für geplante 30 bis 40 Abende müssen sie unverletzt und in guter Form sein. Handlungsballette wie Taylors ,Alice im Wunderland’, was mir sehr gefiel, und gemischte Abende. Pro Spielzeit ein bis zwei Musicals, Ur- und deutsche Erstaufführungen. Auf keinen Fall tanzende Katzen oder rollschuhfahrende ,Starlight-Express’-Roboter, sondern Musicals mit gesellschaftskritischen Aspekten wie zum Beispiel ,West Side Story’. Der Ballettchef ist Herr über seinen Etat mit der Summe x. Dann gibt es die Summe y: das, was er möglichst einspielen sollte. Wir müssen mehr denn je auf die Abendkasse schauen."

Harte Kalkulation, trotzdem Träume: "Natürlich möchte ich Gastchoreographen, mal einen Martin Schläpfer aus Mainz, einen Christian Spuck aus Stuttgart. Ob es sich realisieren lässt, ist eine andere Frage."

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