Blick auf Armut und Menschenwürde

- "Copyright P.B.S." - so wurden über viele Jahrzehnte Reportage- und Promifotos gekennzeichnet (z.B. "Stern", "Quick"). Dieses Markenzeichen ist auch der Titel einer Ausstellung, die dem Journalisten Peter Bock-Schroeder (1913-2001) gewidmet ist (Münchner Kokon). Seine Frau hatte allerhand Arbeiten auf dem Speicher gefunden - und war selbst erstaunt, was da zutage kam. Zu sehen sind jetzt Originalabzüge, spätere Abzüge und edel aufgemachte Vergrößerungen, die gekauft werden können. Die Bilder stammen vor allem aus den 50er-Jahren.

Bock-Schroeder - ab '73 Fotograf des Münchner Flughafens - hatte in Berlin gelernt, wurde im Zweiten Weltkrieg eingezogen und war Kriegsberichterstatter in Afrika. Sehr schnell nach Kriegsende konnte er als Korrespondent reisen. In der Schau sind zumeist Fotografien aus Peru und der Sowjetunion zu sehen. Aber auch Aufnahmen von Irland bis Jordanien, von Alaska bis Taschkent. Aus dem vernichteten Deutschland kommend, war P.B.S.' Blick auf die Armut, aber eben auch auf die Menschenwürde geschärft. Greller Kontrast dazu: die Gesellschaftsfotos. Auch wenn die Karajans offensichtlich ein Familienidyll für den Fotografen inszenierten, gelang ihm doch anderswo Ironisch-Hintergründiges. Etwa wenn er Romy Schneiders Stiefvater Daddy Platzheim, umrahmt von zwei Pudeln, hinter eine Phalanx von elf Paar Schuhen setzte. Intensiver, bewegender aber sind die Werke der Not.Das peruanische Baby, dessen Bettchen eine Holzkiste ist, der Bub, der in sich versunken vor einer winzigen Essensschale kniet, oder die Lachsstecher, die fast ungesichert über dem tobenden Wasser arbeiten: Sie sah P.B.S. mit dem klug gestaltenden Auge des Fotokönners. Und er sah ihre Umwelt, ob karge Hütte, ob Landschaften, geprägt vom Meer, geprägt von der Industrie.Bis 31.8., Lenbachplatz 3, zu den üblichen Geschäftszeiten, Eintritt frei.

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