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Den Blick verloren

- Garmisch-Partenkirchen - Nun ist es beschlossene Sache: Der Theatersommer in Garmisch-Partenkirchen gehört nach nur fünf Jahren seines Bestehens der Vergangenheit an. Der Marktgemeinderat beschloss, die Zusammenarbeit mit Festival-Chefin Cordula Trantow zu beenden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist die zu geringe Platzauslastung. Laut Gemeinde lag sie bei 13 Prozent. Lediglich das Jubiläums-Spektakel "1805 - Liebe und Tod in Garmisch zur Franzosenzeit" brachte es auf 27 Prozent.

Das ist kein Ruhmesblatt - weder für Trantow, noch für die Marktgemeinde. Man muss das in der Bewertung genau voneinander trennen. Der erste Punkt: Trantow ist künstlerisch gescheitert. Das tut weh - nicht nur den Schauspielern, Ideengebern, Organisatoren, die mit dem Verlust des Theatersommers ihre Auftrittsmöglichkeiten einbüßen. Trantows Scheitern bedauern auch all jene, die stets ein auf die Sommermonate konzentriertes, theatralisches Zentrum jenseits der Metropole München heiß befürworteten. Das war so, als Cordula Trantow den Weilheimer Theatersommer leitete. Und das blieb so, als die Weilheimer die Prinzipalin samt ihrem Theatersommer nach einer "Faust"-Inszenierung zur Stadt hinaus jagten. Immer gehörte der couragierten Bühnenfrau die Solidarität der kritischen Öffentlichkeit. Und der Respekt gebührte den Garmisch-Partenkirchenern, die der Vertriebenen sozusagen Theater-Asyl boten.<BR>Aber: Hier hatte es die Trantow von Anfang an schwer. Es fehlte nämlich ein Theater. Der Kongresssaal ist nun einmal von kühler Scheußlichkeit. Schaute man in Weilheims hübschem Stadttheater doch über manche künstlerische Schwäche hinweg, erkannte man diese nun, insbesondere bei Lessings "Nathan der Weise", durchaus als so etwas wie Größenwahn. Und es kam der Verdacht auf, die Regie führende Schauspielerin nutzt das Festival in erster Linie zur eigenen Selbstverwirklichung. Dabei hat sie den realistischen Blick für das, was "geht", verloren; für den Bezug zur Stadt, zum Publikum und letztlich auch zu sich selbst.<BR>Dennoch macht die Entscheidung des Bürgermeisters von Garmisch-Partenkirchen, Thomas Schmid (CSU), schlechten Eindruck. Anstatt zu beraten, wie der Theatersommer gerettet werden könnte, mit oder ohne Trantow, zeigt er mit seinen Äußerungen, dass er von der Sache nichts versteht und ihm auch nicht daran gelegen ist. Statt des Theaterfestivals bevorzugt er einen allgemeinen Kultursommer: "Unsere Gäste wollen Kunst und Natur als Einheit erleben und nicht nur in dunklen Sälen sitzen." Da wünscht man dem Mann, dass ihm doch ein Licht aufgehen möge.<BR>

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