Nur ein Blick zurück

- Die Frage war und ist brisant: Ist der Standort München ein Zentrum für zeitgenössische Kunst? Die Antwort des Symposiums der Kunstakademie und des "Siemens Arts Program" heißt: Nein. Es lieferte sich traurigerweise selbst den Beweis zur aktuellen, desolaten Situation. Man wollte Einschätzungen und Ausblicke geben, Präsentationsweisen diskutieren und die neueste Entwicklung der Kunst und der Institutionen aufzeigen.

<P>Angesichts der dritten Pinakothek, personeller Umgestaltung in den Häusern, Sparmaßnahmen und unwägbarer Situationen für die junge Kunst ein löbliches Unterfangen. Doch das Symposium scheiterte. Man lud Referenten von auswärts, die schon lange der jungen Szene entwachsen sind. Der historische Rückblick in die 60er- und 70er-Jahre konnte nicht trösten. Denn wenn junge Kunst, Planer und München-Kenner kaum oder gar nicht zu Wort kommen, hat das Zeitgenössische hier auch keine Lobby.</P><P>München-Kenner kamen gar nicht zu Wort</P><P>Erst die abschließende Diskussion wühlte die Fragen nach dem aktuellen Stand und der Zukunft der Kreativen auf. Und auch da zeichnete sich ein klägliches Bild ab. Kasper König, Direktor des Museums Ludwig in Köln, stellte ein "ungleiches Verhältnis von Produktion und Rezeption" fest, also zu wenig Chancen für Künstler und zu viel Ausstellungskonsum. Er hatte 1978 im Völkerkundemuseum eine Schau mit großen, jungen Namen organisiert, die für Aufregung sorgte. Ähnlich argumentierte die Kritikerin Ingrid Rein: "In München ist viel passiert auf der Ausstellungsseite, aber es ist keine Stadt für Künstler. Es ist Aufgabe der Akademie, gute Leute zu berufen." Rein kann auf viele Vergleiche zurückblicken: 1969-72 holte sie mit den Nouveaux Realistes, der Arte Povera und den Wiener Aktionisten spektakuläre Gäste nach München. Allerdings engagierten sich damals neben dem Verein "Modern Art Museum" und dem Aktionsraum A1 vor allem Einzelne; die heutige Vernetzung der Institutionen bewertet Rein positiv und plädiert für fächerübergreifende Zusammenarbeit. </P><P>Für Gerhard Merz hat "der Künstler öffentlich mit nichts mehr zu rechnen", er arbeitet auf eigene Kosten im Untergrund und hat Freundlichkeit abgeschrieben. "Totale Verlassenheit" und "radikale Fremdheit" sind der Grundzustand für den Maler und Dozenten an der Düsseldorfer Akademie, der einen heftig kritisierten Rückzug auf sich selbst propagierte. Genau darin liegt für Armin Zweite, Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und ehemaliger Leiter des Lenbachhauses, das Problem: "Die vielen isolierten Stimmen bündeln sich nicht mehr zu einem wahrnehmbaren, werthaltigen Ganzen." Zwar weite sich der Kunstbegriff und seine Akzeptanz aus, aber die Wirkung sei dadurch beschränkt, vage und unverbindlich. Überproduktion und Reizüberflutung seien dafür die Ursachen. Politische Reaktionen wie 1979 bei dem Beuys-Ankauf von "Zeige deine Wunde" gehören der Vergangenheit an - auch, weil Kunst und Politik zunehmend getrennt und die Fronten ins Private verlegt würden.</P><P>Dabei verwies Zweite auf die prekäre finanzielle Situation für den Kunstverein und die Avantgarde und auf den Spagat zwischen Anspruch und überlebenswichtige Popularität beispielsweise beim Haus der Kunst. </P>

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