Der Blödsinn der Verwechslungen

- Von den Großeltern zu den Enkeln: Generationswechsel am Münchner Boulevard? Es sieht fast so aus. Bei der Premiere "Ein Traum von Hochzeit" in Münchens Kleiner Komödie am Max II waren erstmals - zumindest auf der Bühne - die jungen Leute in der Überzahl. Und sie machten es gut. Warum? Nicht nur, weil sie respektable Schauspieler sind. Das sind die Matadore des Boulevards, die alten Knaben und die späten Damen, auch. Sondern weil sie das alles noch nicht so drauf haben - diesen typischen Komödienton, die 08/15-Gestik, den Konfektions-Charme. Sie nehmen Robin Hawdons Komödie samt ihrem Verwechslungs-Blödsinn ernst, und darum waren dem jungen Max-II-Team auch die Lacher am laufenden Band sicher.

<P>Um es vorweg zu nehmen: Star der Aufführung ist nicht Rudolph Moshammer, der seinen Auftritt als genervter Hoteldirektor gar nicht schlecht macht; wenn er nun noch lernt, die Satz-Enden nicht zu verschlucken, dann geht das Bühnen-Debüt des Münchner Nobel-Schneiders schon in Ordnung.</P><P></P><P>Star dieser flotten, witzigen, perfekt mit den Türen klappenden Inszenierung von Folke Braband ist Sebastian Goder, diese moderne Ausgabe eines Bonvivant. Der frühere Münchner Kammerspieler bestimmt mit seinem sicheren Rhythmus, seinem genauen Spiel und nicht zuletzt auch mit seinen schönen, treu-flunkernden Augen das Tempo und die Qualität des Abends. Denn hier muss alles schnell gehen - in dieser Hotelsuite (Bühne: Tom Presting) an diesem Hochzeitsmorgen.</P><P>Goders Rolle: der Trauzeuge Tom in Frack und Zylinder (Kostüme: Katharina Beth), der dem Bräutigam Bill (Ralf Komorr) zwei Stunden vor der Heirat mit Rachel (Beate Pfeiffer) aus der Verlegenheit helfen muss. Denn Bill ist mit der falschen Frau im Bett aufgewacht, nämlich mit Judy (Silvia Seidel), und er weiß nicht, dass dies die Freundin Toms ist, was jenen im Verlauf des Abends zum rasenden Rächer werden lässt. Dass die Situationen immer verrückter werden, dafür sorgt schließlich das fesche Zimmermädchen Julie, dem Simone Pfennig mit unterkühltem Witz Hauptrollen-Qualität verpasst.</P><P>Zum Schluss kein Happy-End, was nur für die Figuren auf der Bühne zutrifft. Die im Premieren-Parkett hingegen zeigen sich glücklich und beifallsstark. Den Schauspielern aber sei beim nächsten Mal ein weniger belangloses Stück gegönnt.</P><P>SABINE DULTZ </P><P>Bis 27. Oktober; Karten unter Tel. 089/ 22 67 65; Fax: 089/ 29 13 371</P>

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