Mesale Tolu kommt aus türkischem Gefängnis frei - doch es gibt einen Haken

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Die Blödsten der Welt

- Er füllte als "Der Abräumer" standesgemäß die größten Säle, und auch bei der "Wet Side Tour" blieb kein Auge trocken. Dann stürzte Ingo Appelt, der "Spaßterrorist" der deutschen Comedyszene, jäh ab. Seine Show bei Pro Sieben wurde im Herbst 2000 nach wenigen Wochen abgesetzt; laut Programmmacher: zu viele Gags unter der Gürtellinie.

Jetzt ist der 35-jährige Essener, der eine Schlosserlehre absolvierte und danach - noch als Kabarett-Amateur - für Oskar Lafontaine Wahlkampf machte, wieder da. "Superstar" heißt das neue Programm des Mannes mit der typischen Mephisto-Locke, zu sehen ab heute im Münchner Lustspielhaus.<BR><BR>Sie stilisieren sich in "Superstar" augenzwinkernd als eine Art Messias, der kommt, das am Boden liegende Deutschland zu erlösen. Mit welcher Botschaft?<BR><BR>Appelt : Dass man nicht alles so ernst nehmen soll, dass wir zum Beispiel die Bildungsmisere nicht bedauern, sondern sagen: Jawohl, wir sind die Blödsten der Welt! Das halte ich für eine bessere Einstellung als das Gejammere, das ich da immer höre.<BR><BR>Das heißt, wir sollten uns zu unseren Defiziten bekennen. . .<BR><BR>Appelt : Genau. Wir sind dumm, faul, und wir haben Spaß. Lustiges, kleines Deutschland. Wir sind doch jetzt schon das Bangladesh Europas, das passt doch eigentlich ganz gut zusammen. Wir hatten 'ne blinde Sängerin beim Grand Prix und vielleicht kriegen wir auch noch einen stotternden Bundeskanzler, wenn Stoiber gewinnt. Das kann ganz witzig werden, ich bin gespannt.<BR><BR>Worum geht's konkret im neuen Programm?<BR><BR>Appelt : Wenn ich das wüsste, wäre ich froh (lacht). Nein. Es geht in erster Linie um mich selbst. Bin ich ein Superstar, und wenn nicht, wie werde ich einer? Oder sind die Frauen die neuen Superstars, und die Männer gelten, was man ja jetzt überall liest, auf einmal als das schwache Geschlecht und kommen mit dieser Rolle gar nicht klar? Da muss natürlich der Messias helfen.<BR><BR>Das klingt alles sehr ironisch. . .<BR><BR>Appelt : Ja, ironisch muss man schon sein in dieser Welt. Wenn man alles ernst nehmen würde, wär's schwierig. Wobei es mir schon ein Anliegen ist, die Befindlichkeiten des neuen deutschen Losers zu thematisieren. Ich will, dass wir Leo Kirch, Rudolf Scharping und Gregor Gysi in den Arm nehmen und sagen: Ist doch nicht so schlimm!<BR><BR>Wie sind Sie auf die Grundidee zu diesem Programm gekommen?<BR><BR>Appelt : Superstar ist ein Begriff, der für mich viel mit Äußerlichkeiten zu tun hat. Die Frauen lassen sich alles Mögliche aufspritzen, die Jungs müssen sich auch schon fit halten. Das ist alles sehr anstrengend, die Zeiten haben sich geändert. Dieser Leistungsdruck in unserer Gesellschaft ist nicht mein Ding. Muss ich wirklich fleißig und schön sein? Naja, kucken wir mal.<BR><BR>Einem gewissen Leistungsdruck sind Sie ja auch unterworfen. . .<BR><BR>Appelt : Ja natürlich! Ich Idiot (lacht)! Das ist ja die Falle, die ich mir selbst gestellt habe. Jetzt muss ich auf die Bühne, die Leute den ganzen Abend unterhalten. Das ist auch ein anstrengender Job, aber ich mach's ja gerne und freue mich darauf.<BR><BR>Wie würden Sie Ihren Standort innerhalb des Genres definieren?<BR><BR>Appelt : Ich sehe mich in erster Linie als Entertainer, aber als einer, der nicht wegschauen kann. Ich kann nicht auf die Bühne gehen und beispielsweise die Flutkatastrophe ignorieren. Das geht einfach nicht. Ingo Appelt ist einer, der die Welt betrachtet und sie so beschreibt, wie sie ist.<BR><BR>Gibt es Tabuthemen?<BR><BR>Appelt : Jedes Thema eignet sich, muss sich eignen, wir reden ja auch sonst darüber, weil es uns beschäftigt. Man kann natürlich nicht über die Opfer einer Katstrophe Witze machen, aber das interessiert mich auch gar nicht. Was mich am 11. September interessiert, ist die Frage, ob wir jetzt alle betroffen oder ängstlich sind, überall Schläfer vermuten und wieder zurück wollen auf den Frauenparkplatz der Weltgeschichte. Aber natürlich ist das immer auch ein Spiel mit der Frage, was geht und was nicht geht.<BR><BR>Sie haben einmal gesagt, Sie seien wesentlich lieber umstritten als einfach nur beliebt. . .<BR><BR>Appelt : Das Attribut "Ingo Appelt, der beliebte Komiker" habe ich auch noch nirgendwo gelesen (lacht). Und umstritten zu sein, heißt ja auch, im Diskurs zu sein. Ich bin streitlustig, um von den anderen wahrgenommen zu werden und andere wahrzunehmen.<BR><BR>Da muss man aber auch einstecken können. . .<BR><BR>Appelt : Ich bin auch schon häufig geprügelt worden. Aber ich stehe dann doch wieder auf, gehe auf die Bühne, um in das nächste Fettnäpfchen zu springen. Hauptsache, es kuckt jemand hin (lacht).<BR><BR>Das Derbe, Gemeine, das man Ihnen auf der Bühne lachend verziehen hat, wurde Ihnen im Fernsehen zum Verhängnis. . .<BR><BR>Appelt : Darüber habe ich mich sehr gewundert. Nun ist das Fernsehen ein Medium, bei dem es keinen echten Dialog gibt. Mir fehlte im Studio der Sparringspartner. Ein Live-Publikum ist immer auch ein Korrektiv. Wenn's zu schlimm wird, stehen die Leute auf und gehen 'raus. Das will ich nicht, also tu ich was dagegen.<BR> 

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