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Liedermacher Hans Söllner

Der Söllner-Kosmos

München - Marihuana-Geruch wabert durch das Theater. Der Söllner Hans, der Automechaniker im Blaumann, steht vorne auf der Bühne und macht einfach nicht mehr mit. Er steigt aus – aus Deutschland.

Er macht mit ein paar Gleichgesinnten das erste autonome Dorf Bayerns auf. Es liegt gleich bei Bad Reichenhall und heißt Marzoll. Es gibt hier keine Versicherungen mehr, erzählt er, keine Stromrechnungen, keine Bank, keine Polizei und auch keine Post. So läuft das, wenn man den Hans Söllner machen lässt, Bayerns letzten politischen Volkssänger, diesen ewigen Rebellen, dieses letzte Einhorn im Alpenraum. Er erfindet schnell mal ein Utopia im Berchtesgadener Land.

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Das alles passiert in „Bloß a Gschicht“, Söllners erstem Buch. Es ist ein derber, lustiger, trauriger, teils autobiografischer, teils surrealer Ritt durch das Leben eines gelernten Automechanikers. Regisseur Peter Pichler hat dieses Ausnahme-Leben jetzt im Schwere Reiter in München als „utopische Kammeroper“ auf die Bühne gebracht. Stephan Zinner spielt dabei den sagenhaft wütenden und verzweifelnden Hans, der in Marzoll die Zivilisation, wie wir sie kennen, hinter sich lässt. Er führt fortan ein Leben als Fehl-Geburt, als ewig Suchender, als Fluchender. Regisseur Pichler ist es gelungen, den Söllner-Kosmos einzufangen, ohne Heldenverehrung und als kurzweiliges, schlaues Stück auf die Bühne zu bringen. Als wahnsinnig aktuelles Stück. Draußen auf der echten Straße demonstrieren die Leute gegen Stuttgart 21, Banken und die 3. Startbahn. Das Bürgertum probt den Aufstand. Ein Zustand, den der Hans auf der Bühne bestens kennt. Sein Leben ist permanenter Aufstand. „Ich habe meinen Dialekt zur Waffe gemacht“, ruft er.

Stefan Sessler

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