Blubbernde Symbolik

- Vor ein paar Jahren hätten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, genauer die Zuständigen für zeitgenössische Kunst, Monika Baers Werke wohl nicht ausgestellt. Jetzt widmet ihr die Münchner Pinakothek der Moderne eine Schau mit Gemälden und Arbeiten auf Papier. Baer, 1964 in Freiburg im Breisgau geboren und in Berlin lebend, hatte das Glück, in eine Phase hineinzurutschen, in der Malerei wieder geschätzt und gekauft wird. Nicht nur Pinsel schwingende "Klassiker" wie Richter, Baselitz, Immendorff oder Twombly und Kirkeby werden wahrgenommen, sondern auch jüngere Kollegen kommen seit kurzem in den Genuss. Selbst Gegenständliches ist mittlerweile genehm.

Gutes Handwerk, keine Aussage

Nun ist das Feld der Malerei offenbar unendlich fruchtbar, aber doch schon mit allen möglichen Mitteln umgepflügt worden. Es war also Anfang der 90er-Jahre richtig mutig, sich auf dieses Medium einzulassen. Zumal die öffentliche Aufmerksamkeit völlig daran vorbeiging. In der Münchner Präsentation vertritt eine pastos gemalte exotische Flusslandschaft mit abstrusen "Kakteen" (1992) Baers Anfänge. Aura und Ironie - das wird sie später erneut aufnehmen. 1997 jedoch macht sie erst einmal mit einer grellbunten "Mozart-Serie", Szenerien mit Rokoko-Marionetten, auf sich aufmerksam. Es ist ein Manko der aktuellen Schau, dass diese Bezugsgröße mit keinem einzigen Beispiel vertreten ist. Denn die Arbeiten, die zu sehen sind (ab 2000), kontrastieren dazu massiv.

Monika Bear setzt jetzt Farben genießerisch als wolkige Schleier, dünn übereinander geschichtet; mal mit Schlieren, mal mit verfließenden Flecken. In dieses Wabernde hebt sie, wie viele ihrer Kollegen derzeit, surreale Ausrufungszeichen. Symbolisches blubbert: Antlitz-Masken schweben umher, umflattert von jugendstilig verschlungenem Haar, von Blüten, Steinen, Ornamenten. Der Totenschädel darf nicht fehlen, ebenso wenig wie die elegische Birke am Flussufer. Kugeln mit Vogelscheuchen-Schlapphut segeln vorbei und bauchige Porzellan-Pfeifenköpfe. Die malerischen Mittel sind vorhanden - aber die Inhalte . . . Als Künstler sollte man etwas zu sagen haben, das Handwerkliche kann jeder mit etwas Fleiß erlernen.

Dass Baer Potenzial hat, beweisen die intensiver durchdachten Zeichnungen, Collagen und Aquarelle. Wenn sie Ironie nutzt, Wurstscheiben als Sterntaler etwa, vermag sie eher zu überzeugen als mit dem zurzeit angesagten Spiel mit Boudoir-Kitsch.

Bis 11. Juni, Tel. 089/ 23 80 53 60; Katalog: 15 Euro.

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