Blühende Höllen-Rose

- Kühn in ihrer Bilderwelt, faszinierend in ihrer der Musik abgelauschten Stringenz behauptet sie sich seit zehn Jahren im Repertoire der Bayerischen Staatsoper: Peter Konwitschnys Deutung von Richard Wagners Bühnenweihfestspiel "Parsifal". Alle Jahre zu Ostern erscheint sie, eine der nachhaltigsten Inszenierungen der Ära Jonas überhaupt, auf dem Spielplan, und die Wagner-Jünger pilgern ins Nationaltheater, wo am Gründonnerstag die zweite der insgesamt drei Aufführungen (dritte am Ostersonntag, 16 Uhr) in großem Jubel endete.

<P class=MsoNormal>Adam Fischer, Generalmusikdirektor am Staatstheater Mannheim und Dirigent des letzen Bayreuther "Rings", musizierte erstmals Wagner mit dem Bayerischen Staatsorchester, das er auch im kommenden Jahr dirigieren wird, wenn Peter Konwitschny Wagners "Fliegenden Holländer" inszeniert. Die Erwartungen sind groß.</P><P class=MsoNormal>Dirigent Fischers große Klarheit </P><P class=MsoNormal>Zumal nach diesem "Parsifal", den Fischer zwischen seidig-zarten Streicherklang und blech-dröhnende Wucht spannte. Wobei selbst in den kompaktesten Momenten noch Klarheit oberstes Gebot war. Frei von Larmoyanz hielt Fischer die Musik in einem steten, lebendigen Fluss. Dramatisch pulsierend wirkte sie auch im breiten Dahinströmen noch durchstrukturiert. In Klingsors Garten mit den sirenenhaften, liebevoll ironisierten Blumenmädchen verströmte die Musik verführerischen Duft und eine Leichtigkeit, die der ideale Nährboden für die "Höllen-Rose" Kundry war.</P><P class=MsoNormal>Sie erblühte, schlank und schön, von einer nach einjähriger Opernpause erfrischten Waltraud Meier gesungen, inmitten einer erlösungsbedürftigen, schwergewichtigen Männerwelt: John Keyes behauptete sich mit dunklem, baritonal tönendem Tenor als Parsifal, der vom Toren zum Erlöser reift. Stimmlichen Wohlklang fast ohne Text lieferte Jan-Hendrik Rootering als Gurnemanz. Alan Titus' Amfortas krankte nicht nur an "der Wunde", sondern auch an zu wenig gesanglicher Kontur und mangelnder Artikulation. Hohe darstellerische Identifikation der Protagonisten rangierte hörbar vor Textverständlichkeit und Intonation. Nur der sehnige Tom Fox imponierte durch Wort und Ton und schärfte so eindrucksvoll Klingsors Profil. Ein Gewinn für diesen "Parsifal", auf dessen Wiederkehr, Ostern 2006, sich die "Süchtigen" schon jetzt freuen.</P>

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