Blühende Illusion

- Ein rotes Tuch, darauf Kissen und Schemel, in einem morbid erhabenen Theaterrund. Schauspieler, die mit den wenigen Requisiten, mehr noch mit ihrer Präsenz, der ruhigen, raumgreifenden Behauptung ihrer Figuren, den verkommenen Staat Dänemark heraufbeschwören. Die dadurch nicht die Theaterillusion zerstören, sondern sie erst so richtig zum Blühen bringen. Das ist Peter Brooks Theater. Das ist in diesem Fall "Qui est là`", seine Paraphrase auf Shakespeares "Hamlet", inszeniert für Brooks Theaterheimstatt "Bouffes du Nord". Und der Zweitname des Pariser Jahrhundertwende-Theaters, "Centre International de Recherches Thé´â^trales", sagt es schon, dass Brook kein Dogmatiker des Theaters ist: Zeitlebens betreibt er Forschungen über die darstellende Kunst, mit einem internationalen Ensemble und mit nicht nur europäischen Stoffen der Weltliteratur. Brook, in London geborener Sohn russischer Eltern, inzwischen einer der bedeutendsten Theaterregisseure des 20. Jahrhunderts, wird heute 80 Jahre alt.

<P>Auch in München war der Theater-Zauberer häufiger zu Gast in der stets gut gefüllten Reithalle. Mit seiner unterhaltsam auf die Bühne verlegten Psychologie-Studie "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" von Oliver Sacks etwa. Auch da wieder: Schauspielertheater der pursten Sorte. Berührend, komisch und so plastisch, dass man beim Zuschauen hinfassen zu können glaubt. Und kürzlich wurden seine "Glücklichen Tage" von Samuel Beckett in München gefeiert.<BR><BR>Für die einen ist die Brooksche Theaterkunst reine Improvisation, eine Kunst, die auf archaische Formen zurückgreift, das Ergebnis einer spirituellen Suche. Für die anderen der Höhepunkt der Modernität. Inszenierungen wie "Carmen", "Der Sommernachtstraum", die Dramatisierung des Sanskrit-Epos "Le Mahabharata" und "Tierno Bokar" sind die Summe all dieser Definitionen. "Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles was zur Theaterhandlung notwendig ist", schrieb Brook in seiner 1968 erschienenen programmatischen Schrift "Der leere Raum". Doch Brook will gar nicht zum Denkmal in der Theatergeschichte werden. "Ich setzte meine Fähigkeit ein, Schauspielern zu helfen, verborgene Qualitäten ans Tageslicht zu bringen. Ich hasse den Gedanken, eine Schule zurück zu lassen." <BR><BR><BR></P>

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