Blüte der Buchmalerei

- Die Schatzkammern der Welt sind prall gefüllt. Mit einem kulturhistorisch-dokumentarischen Erbe, welches das UNESCO-Programm "Memory of the World" (Gedächtnis der Menschheit) seit 1992 vor dem Vergessen bewahren und weltweit zugänglich machen will.

<P>Auch die Schatzkammer der Bayerischen Staatsbibliothek ist von bedeutsamem Inhalt. Drei wertvolle Codices prangen in ihren Vitrinen, zeigen jeder für sich ein wunderbares Gesamtkunstwerk aus Bild, Text und Einband. Gemeinsam dokumentieren sie in der Ausstellung "Reichenauer Buchmalerei" die meisterhafte Beherrschung eines Handwerks. Es handelt sich um das Evangeliar Kaiser Ottos III., das Perikopenbuch Heinrichs II. sowie ein Evangeliar aus dem Bamberger Dom, von der Forschung der Liuthar-Gruppe zugeordnet.</P><P>In kaiserlichem Auftrag für den Export bestimmt</P><P>Auch sie sind "Memory of the World"-Dokumente. Gemeinsam mit sieben anderen Handschriften, die in der Ausstellung als Faksimiles zu sehen sind - darunter der Egbert-Codex mit dem wohl ältesten Bilderzyklus des Neuen Testaments in der Buchmalerei -, entstammen sie der Malschule der Benediktinerabtei Reichenau auf der gleichnamigem Bodensee-Insel, in kaiserlichem Auftrag für den Export produziert.</P><P>Reich verziert ist das Autorenbild des Matthäus im Evangeliar Ottos III. Mit seiner verschlungenen Ornamentik, dem goldenen Grund und der frontalen Präsentation des sitzenden Evangelisten erinnert es an byzantinische Kunst. Erstmalig wurde hier ein reich geschmückter Bilderzyklus aus hochformatigen Miniaturen zum Leben Christi chronologisch angelegt.</P><P>Weniger verziert, statischer und monumentaler erscheinen die Figuren im Perikopenbuch Heinrichs II., das sich vor allem durch die offenbare Selbstinszenierung Heinrichs auszeichnet: Im Widmungsbild ist die Krönung des Kaiserpaares durch Christus dargestellt. Und im Evangeliar aus dem Bamberger Dom liegen die Besonderheiten im Detail: in der Darstellung eines Christus im Lebensbaum beispielsweise, um den herum die Symbole der Evangelisten sowie die Paradiesflüsse angeordnet sind.</P><P>Der Einband dieses Evangeliars könnte ebenfalls auf der Insel Reichenau gefertigt sein. Zumeist aber sind die mit wertvollen Edelsteinen, filigranen Schmiedearbeiten und Elfenbeinreliefs ausgestatteten Buchdeckel auf keinen einzelnen Urheber zurückzuführen, erweisen sich vielmehr als Zusammenführung verschiedener Versatzstücke.</P><P>Die Reichenauer Schule steht mit ihren Prachthandschriften (etwa zwischen 970 und 1020) beispielhaft für die Blüte der europäischen wie auch speziell der ottonischen Buchmalerei. Die zehn glanzvollen Dokumente der Ausstellung legen - in Original, Faksimile, Foto und auch zum virtuellen Blättern - ein wertvolles Selbstzeugnis ab von den wichtigen künstlerischen Innovationen der Reichenauer Kunst, deren Erbe nun auch im "Gedächtnis der Menschheit" ruhen darf.</P><P>Bis 28. November. Mo-So 10-17 Uhr, Di-Do bis 20 Uhr. Eintritt frei. Führungen: Di, Do, 17 Uhr; für Gruppen auf Anfrage: 089/ 286 38 22 56 (3 Euro). Zwei der der Originalhandschriften, das Evangeliar Ottos III. und das Perikopenbuch Heinrichs II., liegen als "Handschriften zum Blättern" auf CD-Rom vor. Weitere Informationen unter www.bsb-muenchen.de.<BR></P>

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