Boandlkramer mit Charme

- Etwas Anständiges sollte er lernen. Und Maximilian Brückner wollte Medizin studieren. Stattdessen schickte ihn die Mutter zum Vorsprechen an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule.

Nein, diese Geschichte ist nicht falsch herum erzählt, sie geht, entgegen allen Erwartungen, tatsächlich so. Wie kann das sein? "I woaß ned", lacht der blonde Kerl im grauen Strickjanker. "Ich hab daheim im Dorf im ,Zigeunerbauern mitgespielt. Und das kam unheimlich gut an", sagt er mit seiner heiser-rauen Stimme, und sein Lausbubengesicht blickt unsicher drein, entkräftet jeden Verdacht auf Koketterie.<BR><BR>"In mir steckt eine ganz andere Kraft."<BR>Maximilian Brückner <P>Als Zivi hat er dann im Sanitätswagen den "alten Frauen" den Text in die Hand gedrückt und seine Vorsprechrollen einstudiert - Rollen, die es auf Video gab, damit er sie in korrektem Hochdeutsch sprechen lernte. "Bei der Aufnahmeprüfung haben bei meinem baierischen Hirtenstück dann alle nur gelacht, und ich hab' gedacht, es ist vorbei. Ich hätte es auch nicht noch einmal probiert. Eigentlich war ich nie der Theatertyp, und hätte man mir in der zehnten Klasse gesagt, dass ich Schauspieler werde, hätte ich einen Lachkrampf gekriegt."<BR><BR>Dass er im neuen "Brandner Kaspar" am Münchner Volkstheater den "Boandlkramer" spielt, hält Brückner hingegen nicht für irgendwie verwunderlich. Ausgerechnet die berühmte Rolle des kürzlich verstorbenen großen Toni Berger hat Christian Stückl dem 26-jährigen Jungschauspieler zugedacht. Morgen hat Kurt Wilhelms Fassung der Erzählung Franz von Kobells Premiere.<BR><BR>"Ich liebe solche Rollen", sagt Brückner über den Boandl, der auf himmlische Anordnung hin den Leuten raubt, was ihnen das Teuerste ist, das Leben. Mit Räubern hat Brückner Erfahrung. Er hat, noch parallel zur Ausbildung, einen großartigen Karl Moor in den "Räubern" gespielt, dann den "Räuber Kneißl". Und im Salzburger "Jedermann" den Mammon: "Da hat man solche Macht. Da konnte ich sogar den Peter Simonischek am Schlawittchen packen."<BR><BR>Was Brückner so liebt - und wie ein Gebirgsbach sprudelt sie aus ihm heraus -, ist die Lust am Rollenwechsel, und sei er noch so skurril: "Dass ich mich als Boandl so hässlich machen darf, ist doch das Tolle am Spielen." Gedankenschwere liegt ihm nicht. Folglich macht Brückner sich wegen der Erwartungen an den Boandl und der Vergleiche mit dem verdruckst kieksenden Berger gar keine Sorgen. Als Zehnjähriger hat Brückner ihn selbst auf der Bühne im Cuvillié´stheater gesehen:<BR><BR>"Bestimmte Züge sind in der Rolle angelegt. Aber schon vom Alter her steckt in mir ja eine ganz andere Kraft." Man muss auch keine Angst um diesen Schauspieler haben, dass er eines Tages aus dem Herrgottswinkel der typisch bayerischen Figuren nicht mehr herausfindet - mit seinem kindsköpfigen Schalk gibt er schon mal Batman oder Spiderman als Traumfilmrollen an.<BR><BR>Aber auch im Ernst legt er Wert darauf, dass er überregional - nämlich in dem Kinofilm "Männer wie wir" etwa oder einem Zweiteiler, den er mit Dieter Wedel dreht - auch hochdeutsche Rollen hat. Und trotzdem befindet sich Brückner in der so glücklichen Lage, genau zu wissen, wo er hingehört: "Es ist doch ein Luxus, dass ich in die Stadt reinfahre und mit meinen besten Freunden arbeiten kann." Zu denen zählt er auch seinen Chef Christian Stückl. "Wir verstehen uns so gut. Denken gleich. Vielleicht, weil er auch auf dem Dorf aufgewachsen ist."<BR><BR>Brückner, Ältester von acht Geschwistern, wohnt inzwischen mit zwei Brüdern auf einem Hof in seiner Heimatgegend am Simssee. Dort war er als Bub im Trachtenverein, bei den Jungen Riederinger Musikanten, lernte Tuba und Schuhplattln. "Ich mag's, und ich steh dazu", erzählt er. Und während die schauspielernden Brüder jetzt beruflich andere Wege eingeschlagen haben - aber Florian Brückner tritt nebenher noch am Volkstheater im "Räuber Kneißl" auf - trifft er die kleinen Geschwister wieder in Salzburg beim "Jedermann": "Die haben da schon gespielt, bevor ich der Mammon sein durfte." Brückner resümiert: "Es ist bis jetzt gut gelaufen." Und ein wenig nachdenklich und irgendwie dankbar: "Es muss ja auch nicht immer Leiden sein. Und das Einzigartige hier am Volkstheater - das nehme ich gewiss mit." Man hat schon jetzt den verschmitzten Boandlkramer mit seiner sehr speziellen Auffassung himmlischen Waltens vor Augen . . .<BR><BR><BR></P>

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