Bobby McFerrin in der Münchner Philharmonie

- "Bin ich normal, wenn ich mich im Konzert langweile?", heißt ein Buch, das die Musikwissenschaftlerin Christiane Tewinkel unlängst veröffentlicht hat. Darin geht sie den Gründen für die fehlende Attraktivität klassischer Musik-Darbietungen für junge Menschen unter 30 nach. Was Tewinkel mit Bobby McFerrin zu tun hat? Nun: Der Jazz-Vokalist zeigte in der Münchner Philharmonie einmal mehr: von Langeweile keine Spur.

McFerrin hat keine Berührungsängste mit dem "ernsten Fach", das weiß man. Man muss sich einen Abend mit dem 54-Jährigen vorstellen wie einen Workshop. Er begann ihn mit Edvard Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit" und ließ die Streicher des Münchner Rundfunkorchesters dräuend anschwellen, bevor er zum ersten "Showteil" kam: dem Konzert für zwei Violoncelli Nr. 2 g-Moll von Antonio Vivaldi. Es gab nur ein Cello, und zwar das von Jens Peter Maintz. Das andere imitierte McFerrin mit irrwitzigen Sprüngen von Kopfstimme ins Bass-Register und zurück. Beinahe wie in einer Jazz-Session.<BR><BR>Bevor McFerrin nach der Pause Beethovens Achte Symphonie ein wenig entglitt, bekam er seinen größten Applaus: für seine Vokal-Improvisationen über "Suzie Q" oder "Blackbird". Dabei klang er nicht wie ein, sondern wie drei Sänger. Wenn er seine Stimme spielte wie ein Instrument, sich rhythmisch auf die Brust klopfte, reichte das Sound-Spektrum vom Blues-Greis bis zum verschnupften Muezzin. Hier ist sein eigentliches Fach. Dennoch sollte man Bobby McFerrin nicht unterschätzen. Natürlich ist es Show, wenn er sein Orchester animiert, den Taktstock hinters Ohr geklemmt wie ein Handwerker den Bleistift. Aber man hat nie das Gefühl, er nehme das, was er tut, nicht ernst. Es ist nichts Schlechtes daran, wenn man bei der Arbeit ein wenig mitgroovt. Ganz im Gegenteil.<BR>

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