Bocksbeutel, Bier, Bratwurst

- "Wir Franken haben keinen Grund, Minderwertigkeitskomplexe zu bekommen. Franken liegt doch zentral in der Mitte Deutschlands. Es fällt uns noch leicht, über den Spessart hinauszublicken, während der bayerische Blickwinkel durch die Alpen doch manchmal etwas eingeengt wird. Die Bayern sollten sich von der fränkischen Gelassenheit inspirieren lassen. Die Umzingelung Frankens durch die feindlichen Stämme der Altbayern, Sachsen und Thüringer, Hessen und Schwaben stärkt das Selbstvertrauen und stählt den Franken."

Zerbrochene Spiegel

So selbstbewusst wie Kabarettist Urban Priol seinen "Stamm" bewertet, so selbstbewusst präsentieren sich die Franken jetzt in Nürnberg mit der Landesausstellung "200 Jahre Franken in Bayern". Anlass ist natürlich das in München in der vergangenen Woche bereits gefeierte Jubiläum 200 Jahre Königreich Bayern.

Und so reiste auch Ministerpräsident Edmund Stoiber gestern extra nach Nürnberg, um die Schau zu eröffnen. Die bis zum 12. November dauernde Ausstellung zeichnet die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Franken seit dem Aufgehen im Königreich Bayern im Jahr 1806 nach. "Bayern verdankt den Franken wichtige Impulse zur Industrialisierung und zur Modernisierung", sagte Stoiber. Und kündigte zugleich eine weitere Stärkung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Franken an.

Die Ausstellung beginnt ungewöhnlich: Zerbrochene Spiegel symbolisieren im ersten Raum das Zerbrechen der vielen kleinen fränkischen Territorialherrschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Eine "Schatzkammer Franken" dokumentiert die reichen Kulturschätze, die sich teilweise das Königreich Bayern einverleibte. Der Bau der ersten Eisenbahnlinien förderte dann Industrie und Handel - Franken wurde zum wirtschaftlichen Motor Bayerns. Die Schattenseiten zeigten sich in Überbevölkerung und Massenarmut.

Mit rund 600 Exponaten hat das Haus der Bayerischen Geschichte in der Landesausstellung eine bunte Revue der fränkisch-bayerischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammengestellt. Historische Fußballsiege werden dort ebenso zum Thema wie Bocksbeutel, Bier und Bratwurst. Vom Band erklingen die Stimmen des Kabarettisten Bernd Regenauer und des Sportreporters Günther Koch. Doch auch das dunkle Kapitel der NS-Zeit wird nicht ausgespart; war doch Franken schon früh eine Hochburg der Nationalsozialisten. Die Ausstellung endet mit dem Kapitel "Frankutopia", das die Perspektiven der fränkischen Region deutlich machen will.

"Wir haben eine Schau voller Erinnerungen zu bieten, die viele zum Nachdenken anregen will", sagte der Präsident des Hauses der Bayerischen Geschichte, Claus Grimm. Er hofft auf mindestens 200 000 Besucher im Nürnberger Museum Industriekultur.

Bis 12. November 2006, Dienstag bis Sonntag 9-18 Uhr und an allen Feiertagen; Tel. 0911/ 23 36-150; Informationen im Internet: www.franken-2006.de

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