Bis der Boden schwankt

Mozarts "Così fan tutte": - Bis hin zum Zweikampf treiben es die kreuz und quer verliebten Paare, die Musik liefert dazu den passenden "Soundtrack". Mozart gibt's her, und Oswald Sallaberger versteht es, der Neuen Hofkapelle München jenen Ton zu entlocken, den die Szene braucht. Mal aufbegehrend und fast militärisch zackig, dann wieder seidig weich wie in jenen magischen Momenten des sanft wiegenden Abschiedsterzetts "Soave il vento". Dann kippt das Licht auch die Szene aus ihrer Turbulenz - für einige Minuten emotionaler Wahrhaftigkeit.

Mozarts "Così fan tutte" hat etliche solche Momente, die Aufführung der Bayerischen Theaterakademie im Prinzregententheater gewährt ihnen musikalisch-szenisch Raum. Obwohl Regisseurin Tatjana Gürbaca, die ihre Inszenierung schon 2005 in Luzern herausgebracht hatte, der Komödie freien Lauf lässt.

Sie setzt vor allem im ersten Akt auf Tempo, auf Bewegung, die in ihrer choreographierten Pose "Spiel" von "Ernst" trennt. Bis haarscharf an die Klamauk-Grenze lenkt sie die Protagonisten im beigen Zwillings-Look und den Chor in blau-weiß-roter Uniform oder weißer Rokoko-Unterwäsche (Ausstattung: Ingrid Erb) und bremst den Übermut nur dort, wo der Boden schwankt. Wo für Guglielmo und Ferrando ihre Wette endet, wo Dorabella ins Kokettieren flieht und Fiordiligi abstürzt - in eine neue Liebe. Mozart und Da Ponte sagen alles, die eingeblendeten "Merksätze" der Regisseurin sind daher gut gemeint, aber reichlich überflüssig.

Die Sänger beleben den schlichten Einheitsraum, gebildet aus mit Papier bespannten, "durchlässigen" Wänden, durch temperamentvolles Spiel. Als exzellent studiertes Ensemble könnte man die Absolventen der Musikhochschule vom Fleck weg engagieren: Die Fiordiligi Sophia Brommers, deren klarer, höhen- (weniger tiefen-) sicherer Sopran in Phrasierung und Ausdruck überzeugt; diesouveräne Despina von Sibylla Duffe; den in Stimme und Haltung virilen, nicht zynischen Don Alfonso Miklós Sebestyéns; den übermütigen, mit vollem, rundem Bariton aufwartenden Gulielmo Hyuk Lees.

Auch der Mezzo Misaki Onos (Dorabella) fügt sich farblich gut ins Ensemble, wirkt solistisch allerdings zu schwer. Matthias Aeberhard (als Gast) stattet den Ferrando mit forschem Klang aus, bleibt ihm in "Un aura amorosa" jedoch die verführerische Phrasierung schuldig.

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