Bodenhaftung

- Restlos zufrieden war Felix Mendelssohn Bartholdy nie mit seiner "Reformations- Symphonie". Gar verbrennen wollte er die Partitur, deren anfänglicher Misserfolg einen herben Rückschlag für den jungen Komponisten darstellte. Und doch lässt sich auch diesem posthum publizierten Werk ein gewisser Reiz nicht absprechen.

Beim Debüt am Pult der Münchner Philharmoniker versuchte Hartmut Haenchen erst gar nicht, eventuell vorhandene Unebenheiten zu leugnen, sondern nahm die Partitur so, wie sie ist (Gasteig). Klar als Zitate erkennbar blieben die eingeflochtenen musikalischen Anleihen -vom "Dresdner Amen" bis hin zum Luther- Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" –, denen der Dirigent mit sorgsam gedehnten Tempi besonderen Nachdruck verlieh.

Trotz religiöser Thematik verlor Haenchen dabei jedoch nie an Bodenhaftung, und bot eine gewissermaßen säkularisierte Annäherung an das Werk, bei der lediglich das etwas holprige Scherzo leicht aus dem Rahmen fiel. Obwohl im wahren Leben weit weniger religiös, nahm auch im Schaffen von Franz Schubert die Kirchenmusik einen großen Stellenwert ein. Dass der Komponist seiner As-Dur Messe den Untertitel "Missa Solemnis" mit auf den Weg gegeben hat, schien den Dirigenten allerdings zu verleiten, mit einem Auge in Richtung Beethoven zu schielen.

Über der machtvoll ausladenden Wiedergabe geriet leider ein wenig ins Hintertreffen, dass auch Schuberts Werk durchaus über seine ganz speziellen Qualitäten verfügt und teilweise recht unorthodoxe Wege verfolgt. Dafür aber hatte man mit Alexandra Coku, Monica Groop, Christian Elsner und Michael Volle ein Solisten- Quartett aufgeboten, das selbst dem äußerst präsenten Chor problemlos Paroli bieten und mit seinen Einwürfen starke Akzente setzen konnte.

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