Der Body schlenkert, die Stimmbänder gurren

- Elvis, "the King of Rock'n'Roll". Elvis, Inbegriff dieses neuen, im Ohr des Nachkriegsspießers unartigen Musikstils der 50er-Jahre und also, mit Schmalztolle und Jeans-engumspanntem Beckenschwung, auch Galionsfigur der damaligen Protestkultur. Elvis, diese Wunder-Stimme, die einem, selbst auf CD, wie Wein in die Adern fließt. 600 Millionen Tonträger waren bereits bis zu seinem Tod 1977 verkauft. Heute sind es 1, 6 Milliarden. Dieser Übermythos soll nun mit "Elvis, die Show - sein Leben" im Münchner Deutschen Theater wieder aufleben.

<P>Nette Story in einer<BR>biederen Inszenierung</P><P>Dass Mark Janicello ein Textbuch schrieb, inszenierte und noch den Elvis spielte, kam so: 1992 gewann er den von einer "Fried-Chicken"-Restaurantkette ausgeschriebenen Wettbewerb als "Bester Straßensänger Amerikas". Mit dem Spezial-Blend von Elvis' "It's now or never" und der Originalversion "O sole mio" à la Pavarotti hatte der ausgebildete Opernsänger gar den Verkehr am Times Square zum Stocken gebracht. Und irgendwie so ein Opern-tenoraler Elvis-Verschnitt, leicht belegt, ist auch die Show geworden.Das muss man, im Prinzip, in Ordnung finden. Elvis eins zu eins wäre Utopie. Eine Lifestory kann also ruhig die individuellen Züge des Nachgestalters tragen. Und da sitzen bei Janicello die Glitzer-Jumpsuits auch ganz schön prall und stramm.</P><P>Der Body schlenkert, die Stimmbänder gurren, der Pelvis pumpt und Arme fahren animierend ins Publikum aus. Und trotzdem irgendwie . . . Vielleicht war's gerade diese harte "Double"-Disziplin, durchgehalten durch all die vielen Elvis-Songs von Ben Weisman u. a., plus die hinzukomponierten (von Touchton, Ottis, Holoubeck, Peterson, Janicello): Es klingt, bei aller tapferen Anstrengung, pardon und sorry, alles ein wenig einfarbig ähnlich.</P><P>Die Story vom Armeleutekind zu tragisch endendem Megastar ist ganz nett aufgeschrieben mit einem spitz-sopranigen Todesengel (Nicole Braunger) als Elvis' ständigem Begleiter. Aber Janicello, der mehrfach belastete Texter/Sänger/Regisseur inszenierte aus der letzten Puste einfach - kreuz-bieder. Und hat, man könnte weinen, mit Michael Reardon einen Choreographen angeheuert, der sich offensichtlich an der Taubstummensprache orientierte: "Action" fast nur der oberen Extremitäten. Wenn Ellbogen sich küssen, ist das schon maximal. Auch Peter Thanels Instrumentierung ist nicht von der Machart, die, in musikalischer Hinsicht, der Show kräftige Farben geben könnte. Und seine Band braucht zwischendurch unbedingt einen Espresso. Da ist man glücklich, wenn Jacqeline Brown als Mama Presley und Sinah Hönig als Priscilla Stimme und Bühnenpersönlichkeit ins Spiel bringen.<BR></P>

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