Boris im Harem

- "Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heiße Stangen . . ." Fehlerlos kommen die üblen Drohungen Paata Burchuladze über die Lippen. Denn für den Osmin hat sich der Georgier so intensiv in die deutsche Sprache hineingekniet, dass er sogar beim Interview das gewohnte Englisch verschmäht, Deutsch spricht und nur ab und zu Hilfe bei seiner Frau sucht.

<P>Im Haremswächter Osmin, den Burchuladze erstmals singt, wittert er "den schönsten und spannendsten Charakter" der Oper. Premiere der "Entführung aus dem Serail" in der Regie Martin Duncans ist morgen, 19.30 Uhr, im Münchner Nationaltheater. Der seriöse Bassist, der sonst eher Fürsten und Herrschern seine Stimme leiht, auf jeden Fall mit den dramatischen Figuren identifiziert wird - von Boris Godunow bis zum Großinquisitor - freut sich auf die neue, komödiantische Herausforderung.</P><P>Obwohl er zu Beginn seiner Karriere erste Mozart-Erfahrung mit Don Giovannis Diener Leporello sammelte, interessiert ihn der Osmin weit mehr: "Leporello ist nur komisch. Der Osmin ist es auch. Aber zunächst einmal ist er ein mächtiger, würdiger Mann, der im Umfeld des Bassa für Ordnung sorgt. Er kann nicht begreifen, dass ihm eine kleine Engländerin (Blonde) auf der Nase herumtanzen will." Das versteht Paata Burchuladze gut, "diese Mentalität entspricht uns Ostmenschen", lacht er, und seine Frau schmunzelt dazu . . .</P><P>Aber trotz des martialischen Aufbrausens hält er den Osmin nicht wirklich für brutal und böse - "er ist es nur, weil er Blondchen haben will". Ob mit dieser neuen Partie die Weichen neu gestellt wurden? Nein, das nun doch nicht, der Bssist wird seinem angestammten russischen und italienischen Fach weiter treu bleiben. Aber, wenn es in München ("wo für einen solchen Versuch ideale Bedingungen herrschen") mit dem Osmin klappt, gilt die Rolle durchaus als Repertoire-Zugewinn. Für den Wechsel von oder zu Mozart veranschlagt der Sänger einen Ruhetag: "Das braucht man für die Stimme und für den Kopf."</P><P>Da nun die erste Deutsch-Hürde genommen ist, trudeln sicher bald wieder Wagner-Angebote ein. Bisher hat Burchuladze selbst Bayreuth noch widerstanden. "Ich bin so ausgelastet mit Verdi, Mussorgsky, Boito, und ich bin auch glücklich damit. Doch wenn es mir mal langweilig wird . . . Ich werde abwarten." Dass der Hagen irgendwann dran ist, das weiß er natürlich. Doch vorher wird er sich ans deutsche Lied heranwagen - "aber zunächst nur in Spanien und Frankreich!"</P><P>In der neuen Münchner "Entführung" arbeitet der weltweit beschäftigte Star erstmals mit dem Regisseur Martin Duncan und dem jungen englischen Dirigenten Daniel Harding (27) zusammen. Freudestrahlend gesteht er: "Ich fühle mich sehr wohl in der Produktion, weil jede Bewegung Sinn macht. Von Harding hatte ich natürlich schon viel gehört, etwa dass er ein kleiner Karajan sei. Er ist wirklich eine Persönlichkeit und ein großes Talent. Wir sind Freunde geworden."</P><P>Lächelnd erzählt der 47-Jährige, dass Harding ihn auf der "Don-Giovanni"-CD mit Karajan erstmals hörte, als der Dirigent noch ein Bub war, und sich freut, nun live mit ihm zusammenzuarbeiten. Und das auch noch bei einem Debüt . . .<BR></P>

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