Eva & Adele

Botschafterinnen der Grenzenlosigkeit

München - Das Künstlerpaar Eva & Adele ist am Dienstag in München gelandet, um neue Werke in der Ausstellung „Adsila“ vorzustellen. Ein Treffen.

Kunst kann überall stattfinden – selbst am Gepäckband des Münchner Flughafens. Dort ist gestern das Künstlerpaar Eva & Adele in einer Maschine aus Berlin gelandet. Beim Treffen in der Galerie von Nicole Gnesa erzählen die beiden von fragenden Blicken der anderen Fluggäste, von Kindern, die sich nach den beiden umdrehten – und davon, wie stolz einige Passagiere gewesen seien, als sie beim Warten auf die Koffer neben den absolut identisch gekleideten und so stilvoll wie perfekt zurecht gemachten Damen stehen durften.

„All diese Begegnungen gehören zu unserem Prozess der Erweiterung des Kunst-Begriffs“, erklärt Adele. Eva ergänzt: „Seit unserem Beginn arbeiten wir daran, die Malerei neu zu erfinden – aus unserer Position heraus: der Dauer-Performance, des Lebenskunstwerks.“ Da sich Eva & Adele als Kunst begreifen, verbergen sie ihre Biografien. Stattdessen geben sie ihre Maße an – wie bei einem Kunstwerk: Körpergröße, Oberweite, Taillenweite und Hüftumfang. Ihre Arbeiten, ob es sich nun um Bilder, Skulpturen, Fotografien oder Videos handelt, verstehen sie als ihre Stellvertreter.

Einige dieser Stellvertreter sind vom Wochenende an in der Galerie Gnesa zu sehen. „Adsila“ heißt die Schau, zu deren Auftakt Eva & Adele angereist sind. „Adsila“ hat einen spannenden Ausgangspunkt: Grundlage für die Reihe sind Arbeiten, die vor dem ersten Treffen der beiden, also vor 1989, entstanden sind. Seit damals gibt es – privat und in der Öffentlichkeit – keine Eva ohne Adele. Und keine Adele ohne Eva.

„Unsere Begegung war von Anfang an derart manifest, dass wir unsere Einzelexistenzen als zwei unabhängige Künstler auf keinen Fall weiterführen wollten“, erklärt Adele. Alles bis dahin Entstandene sollte in das Projekt Eva & Adele integriert werden – „auf welche Weise, war uns zunächst gar nicht klar“.

Für „Adsila“ haben die beiden über die Zeit hinweg einige der früheren Gemälde um diverse Ebenen und Schichten erweitert. So ist auf den oft kraftvollen Bildern nun etwa das bekannte Logo der Köpfe von Eva & Adele in Herzform zu sehen: eine Anspielung auf das lebende Kunstwerk. Außerdem zeigen die Arbeiten – als abstrahierende Weißzeichnung – mächtige Blumenmotive.

Seit einem Vierteljahrhundert existiert bereits das „Tag-und-Nacht-Kunstwerk Eva & Adele“. Die Begegnung der beiden nennt Eva schlicht ein „Wunder“. Wichtige Inspiration zog und zieht das Paar seit damals aus dem Überwinden von Grenzen, gerade auch jener der Geschlechtsidentität: „Die traditionelle Festlegung macht viele Leute unglücklich“, erklärt Adele. „In der Erfindung eines Menschen, in seiner Darstellungsweise sollte keine Bewertung nach Gut und Böse sein. Unser Bild, das wir so massiv in die Welt gesetzt haben, hat sicher auch dazu beigetragen, dass man einem anderen Menschen in die Augen und ins Herz schaut – und nicht nur auf dessen Oberfläche blickt.“ Diese könne vielmehr ein „freier Gestaltungsraum“ sein, erklärt Adele. „Codierungen machen doch den meisten Menschen Probleme, machen sie krank.“

Natürlich vereint diese so eloquenten wie charmanten Botschafterinnen der Grenzenlosigkeit auch ihre Leidenschaft für die Malerei. Ein „Hochseilakt“, wie Eva allerdings einräumt. Schließlich seien beide „ziemlich krasse Persönlichkeiten, wenn es um die Kunst geht“, ergänzt Adele. Das gerade erschienene Skizzenbuch zur aktuellen Schau dokumentiert den „Denkprozess“ in der Konzeptionsphase der Gemälde. „Da geht es oft heiß her“, verrät Eva und lacht. Beschreiten könne man diesen gemeinsamen Weg nur, wenn Liebe vorhanden sei – zur Kunst und zueinander. Helfen würde ihnen zudem, dass „wir beide dieses doppelgeschlechtliche Geschöpf sind“, ist Eva überzeugt. „Mir war klar, dass daraus etwas ganz Neues entstehen wird.“

Bleibt am Ende nur noch eine Frage, schließlich gibt es von Eva & Adele dieses Zitat: „Wo immer wir auch sind, ist Museum“. Welche Kunst ist ihnen wichtiger – sie selbst oder ihre Arbeiten? „Wir werten auf keinen Fall!“, meint Eva. Und Adele sagt: „Für uns ist es ein glücklicher Umstand, dass wir das Lebenskunstwerk Eva & Adele so verschieden präsentieren können.“ Für uns Betrachter ist es das erst recht.

Michael Schleicher

Die Ausstellung

„Adsila“ ist von 13. September bis zum 22. November in der Münchner Galerie Gnesa, Kolosseumstraße 6, zu sehen. Zur Schau ist das Buch „Eva & Adele: Adsila“ (Hirmer Verlag, München, 144 Seiten; 19,90 Euro) erschienen.

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